Mittwoch, 25. Februar 2004

Entscheidung 7. März 2004: Haiders finale Show

  • Countdown zum Supersonntag in Salzburg und Kärnten
  • Dramatisches Finish: Die SPÖ liegt ganz knapp auf Platz 1.

Zehn Tage vor der Kärnten-Wahl liefern sich SPÖ und FPÖ ein dramatisches Kopf-an-Kopf-Rennen um Platz eins. Die ÖVP befindet sich im freien Fall. Die Grünen wittern eine Chance.

Am kommenden Samstag werden sich Kärntens Wahlkämpfer ein Wettrennen um das breiteste Grinsen in wohl jeglich erdenkliche Kamera liefern. Immerhin ist ja hoher Besuch aus Deutschland angesagt: Thomas Gottschalk überträgt seine „Wetten, dass …?“-Show live aus der Klagenfurter Messehalle. Und da dürfen Jörg Haider, Peter Ambrozy und Elisabeth Scheucher in ihrer verzweifelten Jagd auf Kärntens Wählerstimmen naturgemäß nicht fehlen. Sicher, der Showmaster aus Deutschland hat sich jeglichen Politikerauftritt verbeten, aber zumindest ein kleines Standbild während der ORF-Übertragung an ein Millionenpublikum wird doch noch erlaubt sein?

Wettrennen um „Wetten, dass?“ Und so werden der Blaue, der Rote und die Schwarze ganz brav als „Gäste“ in der ersten Reihe Platz nehmen, um wenigstens ein wenig Gratis-Werbung durch einen zufälligen Kameraschwenk zu ergattern. Immerhin ist ja nur eine Woche darauf Kärntner Landtagswahl, die wohl nicht nur über das politische Schicksal Jörg Haiders entscheiden wird.

Zumindest am Mittwoch davor war der Kärntner Landeshauptmann freilich selbst Stargast einer Show der anderen Art: Beim Aschermittwoch-Treffen seiner Kärntner FPÖ durfte der blaue Landeshauptmannkandidat als Hauptredner gegen SP-Kandidat Peter Ambrozy zu Felde ziehen, verzichtete ansonsten aber – im Unterschied zu den Jahren davor – auf peinliche Angriffe auf ausländische Staatschefs oder degoutante antisemitische Wortspiele. Immerhin geht es für Haider bei der Kärntner Landtagswahl am 7. März tatsächlich um viel, und so verzichtet der einstige Rabauke der heimischen Innenpolitik lieber auf allzu arge Verbalinjurien, mimt lieber den Landesvater.

SPÖ liegt stabil bei 39 Prozent. Nur zehn Tage vor der Kärntner Landtagswahl scheint Haiders Show-Wahlkampf in Kärnten jedenfalls aufzugehen.
Laut aktueller NEWS-Gallup-Umfrage liegt die FPÖ in Kärnten mit 38 Prozent (minus vier im Vergleich zur Landtagwahl 1999) nur mehr einen Punkt hinter der SPÖ, die seit Wochen stabil bei 39 Prozent (plus sechs) liegt. In den Rohdaten liegt die SPÖ ebenfalls nur mehr einen Punkt vor Haiders FPÖ. Die ÖVP stürzt in Kärnten hingegen auf 16 Prozent (minus fünf) ab. Die Grünen erreichen sieben Prozent und haben damit erstmals realistische Chancen auf den Einzug in den Kärntner Landtag.

In der – freilich nur fiktiv wirksamen – Frage, wen die Kärntner direkt zum Landeshauptmann wählen würden, hat Haider mit 41 Prozent seinen roten Herausforderer Peter Ambrozy (30 Prozent) abgehängt. Die Kärntner ÖVP-Spitzenkandidatin Elisabeth Scheucher kommt auf desaströse elf Prozent.

„Realistische Chance für Haider“. Bleibt Haider also tatsächlich Nummer eins, wie es etwa Antonia Gössinger von der „Kleinen Zeitung“ glaubt? „Haider hat realistische Chancen, nur gering zu verlieren und Nummer eins zu bleiben. Er liegt praktisch bereits gleichauf mit der SPÖ. Seit Jänner gewinnt Haider kontinuierlich dazu“, konstatiert jedenfalls Gallup-Chef Fritz Karmasin.

Fix ist in Kärnten freilich noch gar nichts. Denn immerhin sind fast 15 Prozent der Kärntner noch unentschlossen, wem sie am 7. März ihre Stimme geben sollen. Stimmen, die für SPÖ und FPÖ am Wahltag über Sieg oder Niederlage entscheiden werden.

Kein Wunder, dass Haider seine Marathontour durch Kärnten noch ausweitet. Der 54-Jährige tingelt von früh bis spät durch ganz Kärnten. Haider wird in den letzten Tagen bis zur Kärntner Wahl noch so gut wie jede Kärntner Gemeinde besuchen und von Haus zu Haus pilgern, um sich den Kärntner Wählern höchstpersönlich anzupreisen. Er verzichtet auf größere Wahlveranstaltungen, um den nicht zuletzt von ihm genährten Polit-Frust der Kärntner nicht noch zu vergrößern.

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25.2.2004 16:17