Freitag, 27. Februar 2004

Mannheimer-HV zu Rettung durch UNIQA: Aktionärs-Versammlung turbulent

  • Vorstand und Aufsichtsratsspitze werben um Zustimmung zu Sanierungskonzept
  • Schlagabtausch mit Kleinaktionären: "Schnäppchen für UNIQA"

Mannheimer-Vorstandschef Lothar Stöckbauer und das Aufsichtsratspräsidium werben bei den Aktionären der finanziell angeschlagenen deutschen Versicherung seit dem frühen Vormittag um Zustimmung zum Konzept zur Sanierung des Unternehmens durch einen Kapitalschnitt und die Übernahme durch die österreichische UNIQA-Versicherung. In der turbulenten Hauptversammlung kam es zeitweise zu einem heftigen verbalen Schlagabtausch mit kritischen Kleinaktionären.

Zu der Kapitalherabsetzung gebe es keine Alternative, unterstrich Stöckbauer. Die UNIQA habe den Vollzug der anschließenden Kapitalerhöhung bis Juni zu einer Bedingung für ihr Engagement gemacht. Aktionärsklagen könnten dies torpedieren, warnte er.

"Spätestens am 30. Juni 2004 wäre die Sanierung sonst gescheitert. Die Folgen für die Gruppe wären unabsehbar. Im Ernstfall steht die Existenz der Gruppe insgesamt in Frage", sagte Stöckbauer.

Die Aufgabe der bisherigen Unabhängigkeitsstrategie und die Übernahme durch die größte österreichische Versicherung sichere das Überleben der Mannheimer, sagte auch Aufsichtsratschef Reinhart Freudenberg. Ohne die Sanierung wäre das Unternehmen praktisch wertlos, unterstrich Vorstandssprecher Stöckbauer. Auch durch einen Verkauf der Sachversicherung ließen sich mit dem Erlös nicht einmal die Kosten einer Liquidation der Holding decken.

Die Mannheimer soll sich unter der Ägide der österreichischen UNIQA auf ihr Geschäft mit speziellen Sachversicherungen konzentrieren. Die Mehrheit an der Mannheimer Krankenversicherung war für rund 9,4 Mio. Euro an die Dortmunder Continentale verkauft worden. Das Lebensversicherungsgeschäft war unter Ex-Vorstandschef Hans Schreiber durch eine zu hohe Aktienquote im Abwärtstrend an den Börsen in existenzielle Schwierigkeiten geraten. Gegen Schreiber und einen weiteren Vorstand ermittelt die Staatsanwaltschaft in Mannheim.

Vor der Hauptversammlung war breite Zustimmung zu dem Plan erwartet worden. Auch ein Vertreter der Aktionärsvereinigung DSW signalisierte heute früh trotz heftiger Kritik Zustimmung. Das Motto laute "Friss oder stirb", sagte DSW-Sprecher Siegfried Pfündl. "Der Vorstand hat es fertig gebracht, beinahe den ganzen Konzern an die Wand zu fahren und damit den Unternehmenswert zu zerstören." Nun bekomme UNIQA die Mannheimer zum "Schnäppchenpreis".

Ein Sprecher der deutschen Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre SdK kündigte wie auch andere Aktionäre Widerspruch gegen den Ausschluss des Bezugsrechts an. "Hier stinkt es nach Wirtschaftskriminalität", schimpfte ein Aktionär und drohte mit einer Strafanzeige gegen den Vorstand wegen Untreue.
(apa, red)

27.2.2004 16:00