Donnerstag, 26. Februar 2004

HypoVereinsbank: Management wagt Ende mit Schrecken

  • Befreiungsschlag bei Beteiligungen verursacht Rekordverlust
  • Statt Brautschau mehr Profit gesucht

Dieter Rampl machte gute Miene zum bösen Spiel. Nach seinem ersten Jahr an der Spitze der Bank Austria Creditanstalt-Mutter HypoVereinsbank (HVB) musste der gebürtige Österreicher am Donnerstag den höchsten Verlust in der Geschichte der Bank präsentieren: 2,6 Mrd. Euro tief rutschte Deutschlands zweitgrößte Bank in die roten Zahlen.

Denn Rampl hatte bei den Beteiligungen reinen Tisch gemacht und mit Verlust verkauft. Umso optimistischer schaut er jetzt in die Zukunft: Rampl bittet die Aktionäre um 3 Mrd. Euro frisches Geld, und das Thema Fusion ist ihm plötzlich nicht mehr so wichtig.

Der mögliche Fusionspartner Commerzbank hatte sich seine Altlasten bereits vom Hals geschafft. Jetzt zog die HVB noch konsequenter nach: Die Beteiligungen an Allianz und Münchner Rückversicherung, die weit über dem aktuellen Börsenkurs in der Bilanz standen, wurden um fast 2 Mrd. Euro Wert berichtigt. Eine Abschreibung bei der Wiener Mehrheitstochter Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) kostete weitere 800 Millionen. Gleich anschließend trennte sich die HVB komplett von ihrem Allianz-Paket. Der Münchener-Rück-Anteil wurde von rund 13 auf 10 Prozent reduziert und soll auf 5 Prozent halbiert werden. "Wir sind eine Bank und keine Beteiligungsholding", erklärte Rampl den Strategiewechsel.

Mit dem Befreiungsschlag will die Münchener Großbank mehr Spielraum für das eigentliche Bankgeschäft bekommen. Da schaffte Rampl im vergangenen Jahr die Wende: Nach einem operativen Verlust von 613 Mio. Euro machte die HVB im vergangenen Jahr einen Betriebsgewinn von 1,432 Milliarden. Die Erträge wurden gesteigert, die Kosten gesenkt, die Risikovorsorge für faule Kredite sogar um ein Drittel reduziert. "Das ist eine Leistung", sagte Rampl sichtlich stolz. "Wir haben geliefert, was wir versprochen haben."

Die Aktionäre dürften das anders sehen. Denn unterm Strich bleibt wegen der Abschreibungen zum zweiten Mal ein dickes Minus, und bei der Dividende gehen sie wieder leer aus. Vor Analysten räumte Rampl ein: "Einige haben mehr erwartet."

Die Experten sahen die Bereinigung im HVB-Depot aber positiv, denn vermeintliche Leichen im Keller sind ein entscheidendes Hindernis für die überfällige Konsolidierung in der deutschen Bankenlandschaft. Die HypoVereinsbank habe 25 Prozent ihres Eigenkapitals vernichtet, während alle großen ausländischen Banken mindestens 15 Prozent Rendite erwirtschaftet hätten, erklärte Dieter Hein von FaiResearch. "Das zeigt, in was für einer katastrophalen Lage die deutschen Banken sind."

Mit der Bereinigung sei die HVB attraktiver für Zusammenschlüsse geworden, aber das sei nicht das Ziel gewesen, sagte Rampl. Er setzte ganz andere Prioritäten. "Wir haben unverändert Gestaltungswillen, in Deutschland und darüber hinaus. Aber wir lassen uns nicht unter Druck setzen", erklärte er. "Wir sind jetzt in einer guten Marktposition. Wir werden uns jetzt ganz auf unsere Kunden und die Steigerung unserer Profitabilität konzentrieren." Das sei kriegsentscheidend. Dafür brauche die HVB alle Ressourcen und alle Kraft - und die fünf Milliarden aus den Beteiligungsverkäufen und der Kapitalerhöhung.

Der Marktanteil in Osteuropa werde ausgebaut, wo möglich auch mit Akquisitionen. Als einzige deutsche Bank sei die HVB dank ihrer Tochter Bank Austria in dem Wachstumsmarkt gut aufgestellt. In Deutschland wolle die HVB den Privatkunden mehr Konsumentenkredite und andere Produkte verkaufen und neue Kunden auch unter mittelständischen Firmen gewinnen, erklärte Rampl. Für das laufende Jahr kündigte Rampl eine Steigerung des Betriebsgewinns auf 1,4 bis 1,7 Milliarden Euro an.

Nach diesem gewaltigen Anlauf sind die Erwartungen der Analysten entsprechend hoch. Olaf Kayser von der Landesbank Rheinland-Pfalz sagte: "Jetzt gibt es keine Ausrede mehr. Die Bank muss jetzt ihre Profitabilität erhöhen, daran wird sie gemessen werden."
(apa, red)

26.2.2004 08:52