Dienstag, 24. Februar 2004

Ski alpin: "Bode Miller hat erst 60 bis 70 Prozent erreicht"

  • US-Trainer McNichol: "Es ist große Herausforderung, Trainer von Miller zu sein"
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Phil McNichol ist seit 19 Jahren Skitrainer und seit sieben Jahren Coach im US-Nationalteam. Im APA-Interview sprach der Cheftrainer des US-Herren-Skiteams über sein großes Aushängeschild Bode Miller, die Rivalität und Kooperation mit den Österreichern sowie die Zukunft des US-Skisports. Die schaut zumindest seinen besten Schützling betreffend sehr gut aus, glaubt man McNichol. "Bode hat erst 60 bis 70 Prozent seines Potenzials erreicht", sagt er.

APA: Ist es hart, Trainer eines Typen wie Bode Miller zu sein?
McNichol: Hart ist vielleicht das falsche Wort. Es ist auf jeden eine große Herausforderung, die aber auch sehr dankbar und lohnend ist. Als Coach muss man geduldig sein. Bode ist kein Schaf, von dem du stets verlangen kannst: "Tu das, tu das". Er ist definitiv anders als die anderen Typen im Weltcup, er ist unglaublich selbstständig und unabhängig. Ich bin aber ein Trainer und ich bin da, um meinen Leuten zu helfen, so gut zu werden, wie es ihr Potenzial erlaubt. Nur manchmal ist Bode einfach nicht daran interessiert, dass ihm jemand hilft.

APA: Wie viel Prozent seines Potenzials hat Bode Miller schon ausgeschöpft?
McNichol: Bis jetzt hat Bode erst 60 bis 70 Prozent seines Potenzials erreicht.

APA: Kann ein Mensch wie Bode Miller überhaupt die "100 Prozent" erreichen?
McNichol: Bode ist ein wahnsinnig talentierter Junge, er muss sich aber weiter entwickeln, um die volle Kapazität zu erreichen. Er muss sich selbst führen, er muss die Vorbereitungsphasen ideal nutzen, seine Fitness verbessern und viele weitere Details. Das erfordert viel Disziplin und Erfahrung. Schon in den nächsten zwei Jahren wird man bei ihm viel mehr Konstanz sehen. Er wird ein weitaus stabilerer, vor allem im Speed-Bereich viel erfahrener Athlet sein. Dann wird er seinem vollen Potenzial sehr nahe kommen.

APA: Wie stehen heuer Millers Chancen im Kampf um den Gesamtweltcup?
McNichol: Schwer zu sagen, es spielen sehr viele Faktoren mit. Die Frage ist nicht nur "Wie fährt Bode?" - es kommt gleichzeitig darauf an, was die anderen zu Stande bringen. Kranjska Gora wird auf jeden Fall ein wichtiges Wochenende. Bis jetzt war es für ihn eine Saison mit vielen Auf und Abs. Eine Saison mit einigen vergebenen Chancen, aber auch mit vielen fantastischen Rennen. Vor allem im Speed-Bereich ist er viel unerfahrener als die absolute Weltspitze, deswegen könnte der Gesamt-Weltcup für ihn heuer noch zu früh kommen.

(apa/red)

24.2.2004 11:50