Donnerstag, 26. Februar 2004

Übernahme: Abramowitsch kauft den AS Roma nicht!

Staatsanwälte, eine Polizeirazzia und das Finanzchaos im italienischen Fußball haben die russischen Investoren abgeschreckt und den Kauf des AS Roma durch den Moskauer Öl-Konzern Nafta im letzten Moment platzen lassen. "Alles war perfekt, dann kam die Polizei-Razzia und es war vorbei", sagte der im Auftrag des Nafta- Konzerns verhandelnde Anwalt Salvatore Trifiro am Montag der "La Gazzetta dello Sport".

Der Sizilianer bestätigte, dass die Russen 400 Millionen Euro für den Tabellenzweiten der Serie A zahlen und am Donnerstag den Vertrag unterzeichnen wollten. "Italien genießt derzeit kein Vertrauen", betonte Trifiro. Dem Nafta-Konzern sei die Lust am italienischen Fußball gänzlich vergangen, und auch ein Engagement beim mehrfach ins Spiel gebrachten Klub Inter Mailand komme nicht in Frage.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft haben den Verhandlungen den Todesstoß versetzt. Wegen den langwierigen Untersuchungen und der unabsehbaren Mehrbelastungen habe der ohnehin hoch verschuldete Traditionsclub den Russen keine Garantie für den Erhalt der europäischen Spiellizenz und damit für die Teilnahme an der lukrativen Champions League in der nächsten Saison mehr geben können.

"Dies war der klassische Tropfen zu viel, der die Russen um drei Uhr in der Nacht zum Sonntag hat umschwenken lassen", erklärte Trifiro. "Da willst du Millionen von Euro investieren und dann gerätst du in Finanzrazzien, die dir die Bilanzen beschlagnahmen, die du prüfen willst."

Nach Trifiros Angaben sollte der Kauf des AS Roma nur die erste Transaktion auf dem italienischen Fußballmarkt sein. "Das Gesamtvolumen sollte eine Milliarde Euro betragen", verriet der Anwalt. Geld, das die mit insgesamt zwei Milliarden Euro verschuldeten Serie-A-Clubs gut hätten gebrauchen können. In Rom trauerte man den noch vor Tagen so skeptisch beäugten Russen am Montag nach. "Russen oder nicht - das Angebot der Nafta war eine gute Lösung, die Hoffnung auf eine Sanierung des Clubs geweckt hat", sagte Italiens früherer Ministerpräsident Giulio Andreotti.

Während die finanzielle Zukunft des Clubs nun wieder in den Sternen steht, trumpfte die Mannschaft auf dem Rasen auf. Am 23. Spieltag fegte AS Rom (53 Punkte) den Tabellenfünften AC Parma mit 4:1 vom Platz und blieb damit dem mit 1:0 bei Lazio Rom erfolgreichen Spitzenreiter AC Milan (58) auf den Fersen. Hinter Rom folgt Titelverteidiger Juventus Turin (52), der 3:0 gegen Ancona gewann und Lazio Rom (40), vor Parma (39) und Inter Mailand (36), das seine schwarze Serie mit einer 1:3-Heimpleite gegen Brescia fortsetzte.

(apa)

26.2.2004 14:31