Aufregung in Großbritannien: Geheimdienst bespitzelte vor Irak-Krieg UNO-Generalsekretär Annan
- Ex-Ministerin Short: "Habe selbst Protokolle gelesen"
Britische Geheimdienstagenten haben nach Angaben der früheren Entwicklungshilfeministerin Clare Short vor dem Irakkrieg UN-Generalsekretär Kofi Annan bespitzelt. Sie selbst habe Protokolle von Gesprächen Annans gelesen, sagte Short am Donnerstag in einem Interview mit der britischen BBC. Short war im Mai 2003 aus Protest gegen den Irakkrieg zurückgetreten.
"Ich habe Gespräche mit Kofi Annan vor dem Krieg geführt und gedacht 'oh je, davon wird es eine Mitschrift geben, und die Leute werden sehen, was er und ich sagen'", erklärte Short. Auf die gezielte Nachfrage, ob britische Spione angewiesen worden seien, innerhalb der Vereinten Nationen Personen wie Annan ins Visier zu nehmen, sagte die Exministerin: "Ja, absolut." Annans Büro sei über einen längeren Zeitraum hinweg ausspioniert worden.
Hintergrund des Interviews war die Entscheidung der Staatsanwaltschaft vom Mittwoch, die Klage gegen eine Dolmetscherin der Regierung fallen zu lassen, die ein Memo des US-Geheimdienstes NSA an eine Zeitung weitergegeben haben soll. In dem Memo hatte der NSA vor dem Irakkrieg die britischen Geheimdienste um Hilfe beim Ausspionieren von UN-Delegierten gebeten.
Oppositionspolitiker haben die Frage aufgeworfen, ob die Einstellung des Verfahrens politisch motiviert war. Sie halten es für möglich, dass die Regierung von Premierminister Tony Blair intervenierte, um die Veröffentlichung für sie peinlicher Einzelheiten zu verhindern. Die Anwälte der Dolmetscherin vermuteten, die Klage sei fallen gelassen worden, weil sie von der Regierung die Offenlegung eines Gutachtens von Generalstaatsanwalt Lord Goldsmith über die Rechtmäßigkeit eines Kriegs gegen den Irak forderten. Minister der Regierung haben es wiederholt abgelehnt, das Gutachten zu veröffentlichen.
(apa)
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