Mittwoch, 25. Februar 2004

Pensionsharmonisierung: Rürup für Mischsystem

  • Stichtagsregelung und Jahrgangsmodeel "nicht völlig ausgereift"

Der deutsche Pensionsexperte Bert Rürup regt in der aktuellen Harmonisierungs-Debatte ein Mischsystem zwischen Stichtagsregelung und Jahrgangsmodell an. Beide Modelle seien "nicht völlig ausgereift", sagte er am Mittwoch in einer Pressekonferenz beim Informationstag der Wiener Versicherungsmakler.

Rürup sprach sich auch für eine Stärkung des kapitalgedeckten Teiles der Pensionsvorsorge aus, also für einen Ausbau der privaten und betrieblichen Vorsorge. Die von Gewerkschaft, Opposition und FPÖ geforderte Stichtagsregelung (ab sofort neues System für alle) hat für Rürup zwar "theoretisch Charme" und bringe aus ökonomischer Sicht auch Vorteile, angesichts der "Verwobenheit" zwischen dem Budgethaushalt und den Pensionssystemen sei die Stichtagsregelung aber wohl nicht durchführbar und "unpraktikabel".

Aber auch das von der ÖVP-Spitze lange favorisierte Jahrgangsmodell (Harmonisierung nur für unter 35-Jährige) "funktioniert" für Rürup "nicht". In diesem Fall seien 30 Jahre lang "Parallelrechnungen" nötig, was "keine gute Lösung" sei. "Die Harmonisierung sollte abgeschlossen sein, bevor die demografischen Probleme virulent werden", sagte Rürup. Das sei etwa ab 2020 der Fall.

Seine Anregung an die Politik: Man könne doch ein "Mischsystem" diskutieren. Rürups Vorstellungen dazu: Die über 50- oder über 55- Jährigen im alten System belassen; bei den Jüngeren die bisherigen Anwartschaften auf einem Pensionskonto gut schreiben und sie dann in ein neues harmonisiertes System überführen. Dadurch würde die Parallelrechnung deutlich verkürzt, meinte der Experte. Ähnliche Überlegungen wurden zuletzt auch bereits von ÖVP-Seite ventiliert.

An der Notwendigkeit einer Reform besteht für ihn kein Zweifel. Er zeigte sich aber auch überzeugt, dass in 30 oder 40 Jahren die staatliche Pension noch immer die "wichtigste Einkommensquelle" von Pensionisten sein werde. Altersvorsorge dürfe aber nicht mit Vermögensbildung verwechselt werden, so Rürup. Und: "Sichere Pensionen gibt es nicht." Niemand könne die langfristigen Rahmenbedingungen genau voraussagen. Die Politik könne die Pensionen aber "sicherer" machen.

(apa)

25.2.2004 12:36