Montag, 23. Februar 2004

Tiergarten Schönbrunn: Zwei Orang Utans gestorben

  • Sirih und Tochter Jungly erlagen vermutlich einer Darmgrippe
  • Erkrankung kurz nach der Geburt eines weiteren Affenmädchens

Der Tiergarten Schönbrunn trauert um zwei Orang Utans, die an diesem Wochenende vermutlich einer Darmgrippe erlegen sind. Gestorben sind die 1989 geborene Sirih und ihre sechsjährige Tochter Jungly - und das kurz nachdem Sirih ein weiteres Orang-Babys zur Welt gebracht hatte.

Ihren Anfang hatte die Tiertragödie am Freitag genommen, als Jungly Durchfall bekam und auf Diät gesetzt wurde. Am folgenden Tag war ihr Gesundheitszustand kurzfristig stabil, als Sirih in den Morgenstunden einem kleinen Orang-Mädchen das Leben schenkte. Doch am Sonntag sah es wieder ganz anders aus: Jungly starb einen Tag nach ihrem sechsten Geburtstag und zu Mittag zeigten sich auch bei Sirih erste Krankheitssymptome.

Sie konnte von den Schönbrunner Veterinären ebenfalls nicht mehr gerettet werden, da sie innerhalb einer Stunde an einem akuten Endotoxin-Schock verstarb. Laut Aussendung des Tiergartens gibt es einen derartig massiven Krankheitsverlauf auch in der Humanmedizin, wenn Patienten durch ein anderes gesundheitliches Ereignis - wie etwa eine Geburt - geschwächt und einer Infektion ausgesetzt sind.

Das Orang Utan-Baby wird derzeit von den Pflegern betreut. Das noch namenlose Mädchen bekommt laut einer Sprecherin des Tiergartens so genannte Startermilch verabreicht - und hat auch schon gekotet, was von den Experten als gutes Zeichen gewertet wird. Wenn die Kleine nicht mehr in so kurzen Abständen auf Milch angewiesen ist, könnte sie eventuell weiter von der 1996 geborenen Nonia "erzogen" werden. Diese hatte bereits bei Jungly "Tantenqualitäten" bewiesen.

Zunächst gilt die Sorge der Schönbrunner Crew jedoch zur Gänze der Gesundheit des Neugeborenen, ihres Vaters Wladimir (29) und Nonia. Allen Dreien geht es recht gut. "Aber das ist nur eine Momentaufnahme", schränkte die Sprecherin ein.

Da nicht auszuschließen ist, dass die Krankheit durch Menschen auf die Primaten übertragen wurde, wurde das Affenhaus bis auf weiteres geschlossen. Seuchenteppiche und strenge Hygienevorschriften für das Personal sollen eine Ansteckung verhindern.

Im Verdacht steht eine Darmgrippe, die derzeit auch unter den Pflegern des Tiergartens grassiert. Eine Obduktion und die Suche nach Erregern soll Gewissheit über die Todesursache bringen. (apa)

23.2.2004 12:21