Rettberg: Das Libro-Protokoll
- Genialer Clou oder Verbrechen: Das Rettberg-Millionen-Netzwerk

André Maarten Rettberg, derzeit Hauptverdächtiger im Fall P-105.371/02 am Landesgericht Wr. Neustadt, sieht sich selbst als Opfer und völlig mittellos. Dies geht auch klar aus dem Protokoll seiner Einvernahme durch die Kriminalisten hervor, das NEWS exklusiv vorliegt. „Ab dem Zeitpunkt der Börseneinführung habe ich laufend bis, ich glaube, März 2001 Libro-Aktien zugekauft, zum Teil aus dem eigenen Vermögen, zum Teil mit Bankkrediten“, erklärt Rettberg laut Protokoll.
Stiftung im Visier. Genau um diese Bankkredite geht es in den aktuellen Ermittlungen der Kriminalabteilung Niederösterreich. Die bisherige Bilanz: Die beiden Rettberg-Anwälte Gerhard Eckert und Michael Löb sitzen seit 2. Februar in Untersuchungshaft, und der Ex-Libro-Boss wird per internationalen Haftbefehl gesucht. Die Ermittlungen konzentrieren sich nun auch auf eine „Independence Privatstiftung“, die im möglichen Einfluss der beiden Anwälte steht, aber ohne Vermögen sein soll.
Schuldenberg. Rettbergs Schulden beliefen sich laut NEWS-Recherchen auf 1,4 Mio. Euro bei der Oberbank, seine Privatstiftung war mit rund 4,4 Mio. Euro bei der Creditanstalt in der Kreide. Um einem Privatkonkurs und damit der Versteigerung seines Eigenheims in Bad Fischau zu entgehen, hat Rettberg mit beiden Instituten einen Vergleich geschlossen und dabei einen kräftigen Schuldennachlass erwirkt. „Wir haben auf 50 Prozent unserer Forderungen verzichtet und rund 700.000 Euro bekommen“, erklärt Oberbank-Chef Franz Gasselsberger auf NEWS-Anfrage. Bei der Creditanstalt, wo die Haftungsfrage Rettbergs nicht ganz eindeutig gewesen sein soll, wurde laut NEWS vorliegenden Informationen sogar auf 85 Prozent der Schulden verzichtet.
Betrugsverdacht. Die Ermittler gehen nun davon aus, dass Rettberg Vermögenslosigkeit vorgetäuscht hat, um diese Schuldennachlässe zu erwirken. Konkret lautet der Verdacht auf „betrügerische Krida“, weil Rettberg „sein Vermögen von rd. 13,8 Mio. Euro beiseite geschafft und verheimlicht und dadurch die Befriedigung seiner Gläubiger vereitelt oder zumindest geschmälert“ haben soll. Seine beiden Wirtschaftsanwälte Eckert und Löb werden der Beihilfe verdächtigt.
Clou oder Betrug. Was für die Ermittler ein mögliches Verbrechen darstellt, sehen andere als „genialen Clou“. Die Vorgeschichte: Im Oktober 1999 verkauften Libro-Altaktionäre, darunter auch Rettberg, insgesamt 25 Prozent plus eine Aktie an die Telekom Austria. Rettberg hat aus diesem Deal rund 13,8 Millionen Euro lukriert. Nach Schuldenrückzahlungen, der Begleichung von Anwaltskosten und vor allem zahlreichen Aktien-Fehlinvestitionen sollen lediglich rund 4,4 Mio. Euro übrig geblieben sein, die Rettberg in Gewinnscheine der VCH Beteiligungs AG investiert hatte.
Die ganze Story lesen Sie im neuen NEWS
PLUS: Die Tricks der Interpol
PLUS: „Verlängerte U-Haft grundlos“
Cannes21:21
Zweite Goldene PalmeMichael Haneke gewinnt mit "Amour" den Hauptpreis bei den Filmfestspielen
Familiendrama in St. Pölten15:23
Bluttat: Bub ist totÄrzte kämpften erfolglos: Achtjähriger Bub nach Kopfschuss gestorben
