Samstag, 21. Februar 2004

Zu spät alles o.k.: Deutsche Maut-Betreiber haben Probleme gelöst

  • Umstrittenes System sei jetzt "in seiner Gesamtheit entwickelt"
  • Neues Angebot des Mautkonsortiums in den nächsten Tagen?

Wenige Tage nach der Kündigung durch den Bund in Deutschland hat das Maut-Betreiberkonsortium Toll Collect nach eigenen Angaben alle technischen Schwierigkeiten des Mautsystems ausgeräumt. Das System sei "in seiner Gesamtheit entwickelt" und mit derzeitigen Tests sei man "sehr zufrieden", zitierte die "Berliner Zeitung" einen Toll-Collect-Sprecher.

Bei den Tests wurden allerdings nur 600 Lkw-Bordgeräte eingesetzt. Der Toll-Collect-Sprecher sagte, man fühle sich verpflichtet, so weiter zu arbeiten, dass die erste Stufe der Maut Anfang 2005 starten könne. Grund der Kündigung seien nicht die technischen Probleme, sondern Haftungsfragen gewesen. Der Geschäftsführer des Güterverkehr- Verbands BGL, Schmidt, äußerte dagegen Skepsis: "Wenn das System mit 600 On-Board-Units läuft, heißt das noch nicht, dass es auch mit 6.000 Bordgeräten funktioniert."

Das deutsche Verkehrsministerium hatte zurückhaltend auf die Aussage von DaimlerChrysler-Chef Schrempp reagiert, wonach binnen zehn Tagen eine Lösung im Maut-Streit gefunden werden soll. Weitere Gespräche seien nicht geplant, sagte der Sprecher von Verkehrsminister Stolpe. Wenn Toll Collect ein neues Angebot vorlegen wolle, werde ein Papier erwartet.

Neues Angebot in den nächsten Tagen?
Toll Collect wird dem deutschen Verkehrsministerium nach einem Bericht der "Welt am Sonntag" in den nächsten Tagen eine Wiederaufnahme der Verhandlungen über das satellitengestützte Mautsystem für Lkw vorschlagen. Nach Informationen der Zeitung will das aus DaimlerChrysler, der Telekom und dem Autobahnbetreiber Cofiroute bestehende Konsortium ein deutlich nachgebessertes Angebot einbringen.

Wie das Blatt aus Daimler-Kreisen erfuhr, denke man jetzt an eine Haftungsobergrenze von bis zu 1,1 Milliarden Euro jährlich. Auch eine ursprünglich verlangte Ausstiegsklausel, die bei Verkehrsminister Manfred Stolpe das Fass zum Überlaufen gebracht hatte, soll wegfallen oder allenfalls eine wesentlich spätere mögliche Trennung vorsehen.

Das Konsortium Toll Collect um DaimlerChrysler und die Deutsche Telekom hat noch rund zwei Monate Zeit, um der Kündigung durch Vertragserfüllung zu entgehen. Neben Stolpe hat auch der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) bei den beiden deutschen Konsortialführern mehrfach Bewegung angemahnt. DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp hatte die Hoffnung auf eine rasche Einigung geäußert.

(apa/red)

21.2.2004 08:41