Disney: Lehnt Übernahmeangebot von Comcast ab
- Bei Übernahme würde Comcast zur Medien-Nr.1 weltweit
- Disney-Konzernführung gibt Chef Eisner Rückendeckung
Die Führung des US-Unterhaltungskonzern Walt Disney hat das Übernahmeangebot des Kabelfernsehbetreibers Comcast abgelehnt und die Unternehmensstrategie von Konzernchef Michael Eisner ausdrücklich gebilligt. Das Disney-Board teilte zugleich mit, es werde jeden Vorschlag sorgfältig prüfen, der den Aktionären einen Gewinn verspreche.
Comcast bezeichnete sein Offert als großzügiges und zwingendes Angebot für die Aktionäre beider Unternehmen.
In der vergangenen Woche hatte Comcast dem Board überraschend ein Angebot zur Übernahme des traditionsreichen Unternehmens gemacht und dies damit begründet, dass Eisner Gespräche darüber abgelehnt habe. Bei einer Übernahme Disneys würde Comcast zum weltgrößten Medienkonzern aufsteigen und den derzeitigen Branchenprimus Time Warner überholen. Zu Disney gehören unter anderem Hollywood-Studios, Themenparks, der Fernsehsender ABC und der Kabel-Sportsender ESPN. Comcast erreicht über 20 Millionen Kabelkunden und mehr als fünf Millionen Kunden über Internet-Breitbandanschlüsse.
"Das Board geht davon aus, dass die gegenwärtige Struktur und Strategie des Unternehmens zum maximalen Nutzen der Aktionäre ist", hieß es in einer Mitteilung des Disney-Konzerns. Es habe Vertrauen in die von Eisner verfolgte Firmenpolitik sowohl in geschäftlicher als auch finanzieller und kreativer Hinsicht. Eisner versucht, Disney weiter als Anbieter von Inhalten zu profilieren. Konkurrenten wie Time Warner und News Corp. haben hingegen begonnen, Inhalt und Distribution in einer Hand zu konzentrieren - eine Strategie, die auch Kabelnetzbetreiber Comcast verfolgt, indem das Unternehmen einen Anbieter von Inhalten ins Boot holen will.
Analysten hatten positiv auf die Aussicht eines neuen Mediengiganten reagiert, zugleich aber die Erwartung geäußert, dass Comcast sein Aktientausch-Angebot im Wert von ursprünglich rund 54 Mrd. Dollar (42,4 Mrd. Euro) erhöhen müsse, um die Disney-Aktionäre zu überzeugen. Wegen des gesunkenen Kurses der Comcast-Aktien liegt der Wert des Angebots derzeit bei 48 Mrd. Dollar. Comcast bleibt jedoch bei seiner Einschätzung, dass es fair sei. Die Disney-Aktien legten nach dem Angebot deutlich zu. Sie stiegen bis Freitag von 23,32 Dollar auf 26,92 Dollar.
Analysten zufolge hat Comcast durchaus Zeit abzuwarten: "Die Zeit läuft für Comcast", sagte Craig Moffett, Analyst bei Sanford Bernstein, "es gibt keine Dringlichkeit, das Angebot zurückzuziehen oder aufzustocken". Es gilt zudem als wenig wahrscheinlich, dass andere Anbieter ihren Hut in den Ring werfen. Dagegen sprechen nach Ansicht von Analysten die Größe der Transaktion und die Hürden der Kartellvorschriften.
Hinzu kommt, dass Disney-Chef Eisner derzeit einen schweren Stand hat. Die demonstrative Rückendeckung für ihn durch das Konzern-Board kommt zu einer Zeit, in der er unter erheblichen Druck durch eine Kampagne zweier ehemaliger Spitzenmanager des Konzerns steht. Roy Disney, Neffe des Firmengründers Walt Disney, und Stanley Gold werfen Eisner jahrelanges Missmanagement vor und wollen ihn aus dem Amt drängen. Die beiden Kritiker versuchen Großinvestoren davon zu überzeugen, den Konzernchef nicht weiter zu unterstützen.
Vorige Woche empfahl zudem eine einflussreiche Interessenvertretung institutioneller Anleger, die Institutional Shareholder Services (ISS), Eisner bei der Aktionärsversammlung Anfang März nicht im Amt zu bestätigen. Die ISS Eisners kritisierte unter anderem Eisners Politik bei Neubesetzungen im Unternehmensboard.
(apa, red)
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