Montag, 16. Februar 2004

Outsourcing: "Allheilmittel" von einst verliert Glanz

  • Firmen holen wieder mehr Kompetenzen zurück ins eigene Haus

Wo noch vor wenigen Jahren nach dem Motto "je schlanker desto besser" radikal ausgelagert wurde, was irgendwie entbehrlich schien, wird heute vielfach umgedacht: Immer mehr Unternehmen besinnen sich wieder auf die eigenen Kräfte. Der ehemalige Trend "Outsourcing" wird korrigiert - in Krisenzeiten tendiert so mancher zum Selbermachen.

VW lässt die Software für Elektronik im eigenen Haus entwickeln. Opel holt die Telefonzentrale zurück. Und GlaxoSmithKline Deutschland will Lagerung und Verteilung von Impfstoffen künftig im Pharma- Konzern organisieren.

Der Vorsitzende der deutschen IG Bergbau, Chemie und Energie (IG BCE), Hubertus Schmoldt, bestätigt die Tendenz zum "Insourcing". "Das gilt insbesondere für die sensiblen Bereiche wie Sicherheit und Qualität." Outsourcing gehe oft zu Lasten der Verlässlichkeit. Einer Analyse der Hamburger Unternehmensberatung Putz & Partner zufolge holt jeder vierte Betrieb mittlerweile Bereiche zurück, die er zuvor an eine Fremdfirma delegiert hatte. Befragt wurden mehr als 100 Firmen in 14 Branchen.

"Die Unternehmen haben gemerkt, dass sie die Fäden wieder selbst in die Hand nehmen müssen", berichtet Putz & Partner-Vorstand Michael Krüger. Viele Unternehmen hätten vorschnell Kernkompetenzen abgegeben und sich in Abhängigkeit begeben. "In der Wirtschaftskrise müssen die Firmen schnell reagieren und Prozesse verändern - da hängen sie dann am Tropf."

Eine im Sommer 2003 veröffentlichte Studie des Fraunhofer Instituts ergab, dass Outsourcing oft teuerer ist als intern erbrachte Leistungen. Firmen sparten zunächst Kosten. Am Ende sei der Aufwand aber oft höher als der Nutzen.

Die Einsparungen würden unzureichende Qualität oder höheren Koordinierungsaufwand zunichte gemacht. Der Leiter der Studie, Steffen Kinkel, wirbt fürs Selbermachen. "Ein größerer Anteil an Eigenleistungen und höhere Fertigungstiefen verschaffen der Firma Vorteile in Innovationskraft, Flexibilität und Ertragskraft." Neben Kompetenzerhaltung ist auch Beschäftigungssicherung ein Argument für Insourcing.
(apa)

16.2.2004 08:36