Samstag, 21. Februar 2004

Skifliegen: Team-Bronze rettet Österreicher vor WM-Blamage

  • Ära Lepistö im ÖSV geht nach Saison zu Ende
  • PLUS: Die bisherigen Weltmeister & Weltrekorde

Österreichs Skispringer haben bei der Skiflug-WM in Planica mit dem Gewinn von Team-Bronze die Blamage abgewendet. Nach dem schlechtesten Abschneiden im Einzelbewerb seit zehn Jahren sicherten Andreas Widhölzl, Andreas Goldberger, Wolfgang Loitzl und Thomas Morgenstern bei der WM-Premiere des Mannschaftsbewerbs am Sonntag den dritten Rang (1.620,8 Punkte) hinter den überlegenen Norwegern (1.711,8) und Finnen (1.704,1), aber 14,4 Punkte vor den viertplatzierten Deutschen. Die Ära von ÖSV-Cheftrainer Hannu Lepistö geht nach Auslaufen des Zweijahresvertrags nach der Saison zu Ende, als erster Kandidat für die Nachfolge gilt Alexander Pointner.

24 Stunden nach der Enttäuschung im Einzelbewerb, in dem nur Thomas Morgenstern (13.) mit seiner Leistung am zweiten Tag zufrieden sein durfte, bot das ÖSV-Quartett eine geschlossene Leistung und entschied das Duell um Bronze mit Deutschland für sich. "Es macht mich stolz, wie sich die Mannschaft aus dem Sumpf gezogen hat. Ein viertes Großereignis ohne Medaille wäre hart gewesen", erklärte Sportdirektor Toni Innauer.

Bei den ÖSV-Athleten war der Jubel groß, von Startspringer Widhölzl fiel nach einem 217,0-m-Flug im zweiten Durchgang, nach dem Österreich erstmals Rang drei übernahm, gewaltiger Druck ab. "Ich habe zum Glück im zweiten Durchgang den Swider herausgelassen, es ist lange her, dass ich eine Medaille gewonnen habe", sagte der Skiflug-WM-Zweite von 2000. "Alle haben gekämpft und sich super gesteigert", freute sich der Tiroler.

Ex-Weltmeister Andreas Goldberger (197-197,5 m) hatte Martin Schmitt im Griff, Wolfgang Loitzl flog auf persönliche Bestweite von 210,5 sowie 202 m und verlor damit nur wenige Meter auf Georg Späth, den stärksten Deutschen (222,5-206,0). Vor dem letzten Springer hatte Österreich einen Bonus von 6,3 Punkten und auf den 200,5-m-Satz von Sven Hannawald, fand Morgenstern die richtige Antwort. Der 17-jährige WM-Debütant flog auf 206 m, damit war Bronze perfekt. "Das ist ein Riesenerfolg, jetzt habe ich endlich auch eine große Medaille", sagte der dreifache Junioren-Weltmeister, der sich nicht unter Druck gesetzt hatte. "Ich bin locker gesprungen, jetzt freuen wir uns so wie die Sieger."

Die Gewinner kamen erneut aus Norwegen. Nach dem Triumph von Roar Ljökelsöy im Einzel vor den Finnen Janne Ahonen und Tami Kiuru hatten die Norsker vor Suomi das bessere Ende für sich und bescherten dem zuvor in Österreich und Finnland tätig gewesenen Mika Kojonkoski die ersten Goldmedaillen seiner Karriere als Nationaltrainer. Schlussmann Ljökelsöy hatte im spannenden Zweikampf um Gold 225 m vorgelegt, Janne Ahonen kam als letzter Mann "nur" auf 217,5 m. Zuvor hatte Björn Einar Romören (NOR) mit 227,0 m die Höchstweite der WM erzielt, vier Meter unter dem Weltrekord von Matti Hautamäki.

Hannu Lepistö schienen auch die Gratulationen zu Team-Bronze nicht aufzuheitern. Der Finne wirkte bedrückt, als er die Stufen von Trainerturm herabstieg - sein letztes Großereignis nach langer erfolgreicher Karriere mit Finnland hatte nicht den gewünschten großen Erfolg gebracht. "Ich wollte mit besseren Resultaten bei der WM aufhören, wir sind zu weit vom ersten Platz weg", sagte Lepistö. Das Ende seines Engagements nach Auslaufen des Vertrags war schon vorher ausgemachte Sache gewesen. "Es ist mir nicht gelungen, die selbst gesteckten Ziele zu erreichen", begründete Lepistö, dessen finnische Athleten unter seiner Betreuung 35 Medaillen gewonnen haben.

Nur Höllwarth und Morgenstern hätten gute Leistungen gebracht, die übrigen Springer seien zu weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben. "Jeder Trainer hat seinen eigenen Stil, meiner war hier anscheinend nicht der richtige", sagte der 57-jährige Besitzer von Trabrennpferden, der kein neues Engagement als Trainer mehr antreten, sondern sich künftig verstärkt um sein Hobby kümmern will. Dass er nach mehrjähriger Pause den Posten in Österreich angetreten habe, bereue er nicht. "Denn das vergangene Jahr war eine sehr schöne Zeit."

Toni Innauer legte sich noch nicht auf den Nachfolger Lepistös fest. Doch Alexander Pointner gilt als erster Anwärter. Der Tiroler, früher Trainer-Assistent von Alois Lipburger und Innauer und zuletzt für das Team im Kontinentalcup verantwortlich, war schon vor zwei Jahren als Cheftrainer im Gespräch gewesen. Nun hat er auch die nötige Erfahrung als verantwortlicher Coach gesammelt. Innauer hatte ihn schon 2002 als kommenden Mann genannt. "In zwei Jahren stehen ihm alle Türen offen", sagte Innauer damals.

Am Sonntag bestätigte Innauer aber nur, dass Pointner ein Kandidat sei, nannte aber auch die Namen von Andreas Felder, dem Springercoach der Nordischen Kombinierer, und von Co-Trainer Stefan Horngacher. Horngacher meinte, er könne sich eine weitere Arbeit in der zweiten Reihe vorstellen, falls er kein Auslandsengagement antrete. "Ich glaube nicht, dass ich beim ÖSV als Cheftrainer aufgestellt werde", sagte der Tiroler.

WM-Teambewerb im Skifliegen:

1.Norwegen(Björn-Einar Romören 210,5-227 m, Sigurd Pettersen 211,5-216,5, Tommy Ingebrigtsen 216,5-208,5, Roar Ljökelsöy 223,5/225)1.711,8 Punkte
2.Finnland(Tami Kiuru 215,5-221,5, Veli-Matti Lindström 209-215, Matti Hautamäki 217-213,5, Janne Ahonen 211,5/217,5)1.704,1
3.Österreich(Andreas Widhölzl 205-217, Andreas Goldberger 197-197,5, Wolfgang Loitzl 210,5-202, Thomas Morgenstern 214-206)1.620,8
4.Deutschland1.606,4
5.Japan1.574,5
6.Slowenien1.503,4
7.Russland1.404,5
8.Polen1.386,8

(APA/red)

21.2.2004 16:12