Montag, 16. Februar 2004

Abschied von Marco Pantani: 30.000 Fans erwiesen dem Rad-Ass die letzte Ehre

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Tausende von Menschen, die gelbe Fahnen, Blumen und Poster schwenkten, haben am Mittwoch den italienischen Radstar Marco Pantani auf seinem letzten Weg begleitet. Rund 30.000 Personen versammelten sich im Adria-Ort Cesenatico in der Nähe der Kirche San Giacomo, um von dem am Samstag tot aufgefundenen Giro- und Tour-de-France-Sieger Abschied zu nehmen.

Fans des "Piraten", die aus ganz Italien und aus mehreren europäischen Ländern gekommen waren, drängten sich vor den Bildschirmen, von denen aus sie die Trauerzeremonie in der Kirche verfolgen konnten. Einige hunderte Radfahrer trugen gelbe Trikots in Erinnerung an Pantanis Tour-de-France-Sieg im Jahr 1998. In der ganzen Innenstadt war der Verkehr gesperrt, die Geschäfte waren als Zeichen der Trauer geschlossen.

Auch Tomba kam
Am Gottesdienst in der Kirche nahmen neben den Familienangehörigen und Freunden Pantanis auch mehrere prominente Vertreter des italienischen Sports teil. Mit Applaus begrüßten die Anwesenden den früheren Skistar Alberto Tomba, der aus derselben Region wie Pantani stammt, Italiens früheren Teamchef Azeglio Vicini, Radstars wie Francesco Moser, Gianni Bugno und Stefano Garzelli. Tomba umarmte lang die verzweifelte Mutter des Bergspezialisten, Tonina.

Der Bischof von Cesena, Antonio Lanfranchi, rief bei der Begräbnis-Zeremonie die Welt des Sports auf, über Pantanis Tragödie nachzudenken. "Der Mensch zählt mehr als der Radsportler. In einem Radstar schlägt das Herz eines jungen Mannes mit seinen Ängsten und Schwächen. Dieses Herz darf nicht zu Gunsten des Sportbusiness ausgenutzt werden", sagte der Bischof.

Kritische Worte
"Die Welt des Sports hat einen großen Meister und einen großen Menschen verloren. Der Radsport wird nach Pantanis tragischem Tod nicht mehr der selbe sein", sagte der Radprofi Alessandro Petacchi. Pantanis Ex-Teamkollege, Mario Traversoni, der vor zwei Jahren seine Karriere beendet hatte, machte den Radsport für Pantanis Tod verantwortlich."Um die Plage des Dopings herrscht ein strenges Gesetz des Schweigens. Wer das Schweigen bricht, wird ausgegrenzt. Marco Pantani hat viele Unternehmen bereichert, die ihn gesponsert haben. Er konnte die Massen bewegen und Tausende von Tifosi in einer Phase begeistern, in der der Radsport eine Krise erlebte", so Traversoni.

"Pantani ist ein Opfer. Er ist von einem System erdrosselt worden, das nichts mehr mit Sport, sondern nur mit Geschäft und Geld zu tun hat", sagte Professor Paolo Fattorini, jener Arzt, der 1999 überhöhte Hämatokritwerte in Pantanis Blut festgestellt hatte. "Pantanis Tod betrübt mich, er überrascht mich leider nicht. Ich glaube, dass es mehrere Sportler in Pantanis Notstandslage gibt. Man muss mit stärkerem Einsatz das Phänomen des Dopings bekämpfen", forderte Fattorini.

Nach der Trauerzeremonie wurde der hellbraune Sarg mit Pantanis Leichnahm von einigen Freunden und Radkollegen des Italieners zum Friedhof von Cesenatico getragen. Einige Freunde schwenkten die Trikots, die Pantani in seiner Karriere gewonnen hatte.

(apa/red)

16.2.2004 19:05