Sonntag, 22. Februar 2004

Aufstand in Haiti: Rebellen kündigen Hauptstadt-Eroberung an

  • 50 US-Marineinfanteristen nach Port-au-Prince
  • Opposition präsentiert "Gegenplan" zur Beilegung der Krise

Der haitianische Rebellenführer Guy Philippe hat eine Eroberung der Hauptstadt Port-au-Prince innerhalb der kommenden Tage angekündigt. Er werde mit seiner Truppe "in zwei bis drei Tagen" in der Stadt sein, sagte Philippe der Nachrichtenagentur AFP am Sonntagabend. Die USA fliegen unterdessen 50 einsatzbereite Marineinfateristen nach Port-au-Prince, um das amerikanische Botschaftspersonal in der von Rebellen bedrohten Hauptstadt zu sichern.

Die Opposition gegen den Präsidenten Aristide hat mit einem "Gegenplan" auf den Vorschlag der multinationalen Vermittler zur Beilegung der Krise reagiert. Der am Montag auf einer Pressekonferenz in der Hauptstadt Port-au-Prince vorgelegte Plan sieht Aristides Rücktritt am 18. März vor. Führer der Opposition bezeichneten Aristide als das "Haupthindernis auf dem Weg zur Demokratie". Deshalb sei sein Rücktritt unabdingbar.

Die multinationale Delegation war der Opposition zuvor entgegengekommen. Sie ergänzte ihren bisherigen Krisenplan, in dem Aristides Rücktritt nicht vorkam, um einen Zusatz, wonach der Präsident bei Mißachtung der Einigung entmachtet werden kann. Zur Annahme des Vorschlags wurde der Opposition eine Frist bis Montagnachmittag (23.00 Uhr MEZ) gesetzt.

Rund zwei Wochen nach Beginn der Revolte gegen Präsident Aristide kontrollieren die Rebellen bereits die Hälfte des Landes. Frankreich forderte seine Bürger am Montag auf, Haiti zu verlassen. Während der Eroberung der Stadt Cap Haitien durch Rebellen in Haiti sind nach Regierungsangaben "rund zehn Zivilisten" getötet worden. Zudem gebe es "große Verluste in den Reihen der Angreifer", sagte Regierungssprecher Mario Dupuy am Montag der Nachrichtenagentur AFP in Port-au-Prince. Genaue Zahlen nannte er nicht. Die Polizei schicke weitere Verstärkungstrupps nach Cap Haitien.

Dupuy appellierte an die Opposition, zu "beweisen, dass sie nichts mit diesen Terrorakten zu tun hat, indem sie den internationalen Friedensplan akzeptiert". Der Plan sei "ein Kompromiss, um Frieden herzustellen und Menschenleben zu retten". Die Opposition müsse die "historische Verantwortung" übernehmen.

(apa)

22.2.2004 17:35