Tirade gegen Berufspolitiker: Berlusconi sorgt für Koalitionszwist
- Verbündete verärgert: "Mehr Respekt für diejenige, die sich mit Ehrlichkeit politisch engagieren"
Eine Tirade des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi gegen Berufspolitiker sorgt für Zwist in seinen eigenen Reihen. Heftigen Protest in Berlusconis Mitte-Rechts-Koalition lösten die Worte des Regierungschefs aus, der am Donnerstag die Profi-Politiker beschuldigte, niemals gearbeitet zu haben, "in ihrem Leben nur geschwatzt und nichts anderes als Geld von den Taschen der Bürgern genommen zu haben".
Im Gespräch mit Journalisten hatte Berlusconi die Italiener aufgefordert, sich "die Einnahmen dieser Herren auszurechnen, die nicht einmal wissen, was ein Unternehmen und ein Bilanzbuch ist".
Die Worte des Regierungschefs lösten eine entrüstete Reaktion des Vorsitzenden der katholischen UDC, Marco Follini, aus, der zu Berlusconi Koalitionspartnern zählt. "Berlusconi sollte mehr Respekt für diejenigen haben, die sich mit Enthusiasmus in der Politik engagieren. Wer ohne persönliche Interessen Politik betreibt, verdient Respekt", meinte Follini. Er betonte, dass mehrere Verbündete Berlusconis, darunter die Parteichefs Gianfranco Fini und Umberto Bossi, Berufspolitiker sind.
Follinis Kollege Luca Volonte warnte Berlusconi, seine Wahlkampagne für die Europawahlen auf populistische Slogans zu stützen. "Politiker wie Fini und Bossi beweisen, dass man für das Land arbeiten kann, auch wenn man keine erfolgreiche Unternehmer wie Berlusconi gewesen ist?, sagte der Minister für die Beziehungen zum Parlament, Carlo Giovanardi.
Berlusconis Parteikollegen versuchten mit Mühe, die Worte des Ministerpräsidenten zu rechtfertigen. "Die Aussagen Berlusconis sind ein gesunder Schlag für die Politiker der Linken, die nur reden und Lobbyarbeit betreiben", sagte der Fraktionschef der Forza Italia in der römischen Abgeordnetenkammer, Sandro Bondi.
"Viele Berufspolitiker besitzen Häuser am Meer, ein Boot, Wohnungen in der Stadt und in den Bergen. Ich denke mir: Wie haben sie all dieses Vermögen angesammelt? Mit gestohlenem Geld?", hatte der Ministerpräsident gesagt. Berlusconi, der an der Spitze seines TV-Imperiums Mediaset zu Italiens reichstem Mann aufgerückt ist, bezeichnete sich als glaubwürdige Alternative zu den Profi-Politikern. "Ich habe von Nichts auf ein großes Unternehmen aufgebaut, das den Staatskassen Millionen zahlt und Zehntausenden von Menschen eine Arbeit gibt", so Berlusconi. (apa)
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