Nach Wahl: Tote und Verletzte bei Ausschreitungen im Iran
- Irans Konservative setzten sich bei Wahlen durch
- Reformgegner streben grundlegenden Kurswechsel an
Nach der Parlamentswahl in Iran sind bei Auschreitungen acht Menschen ums Leben gekommen. Drei weitere Menschen wurden bei Unruhen verletzt, die nach der Bekanntgabe der Ergebnisse im Wahlkreis Iseh ausbrachen. Nach Agenturangaben hatten sich am Samstag auch in anderen Teilen Irans enttäuschte Wähler mit Sicherheitskräften Straßenschlachten geliefert.
Die Reformgegner im Iran werden wie erwartet das künftige Parlament dominieren. Nach dem Auszählungsstand von Sonntagmittag kam der konservative Block bereits auf 135 Sitze, während die wenigen reformorientierten Kandidaten und unabhängigen Bewerber nur 65 Mandate in der 290 Sitze zählenden Volksvertretung errangen.
Polizei schoss
Behördenangaben zufolge sind bei den Protesten gegen die Wahlergebnisse im Süden des Landes acht Menschen ums Leben gekommen. Neben den vier Opfern in Iseh starben nämlich vier weitere Menschen am Sonntag bei Zusammenstößen in der Stadt Firusabad rund hundert Kilometer südlich von Shiraz, als eine aufgebrachte Menschenmenge eine Wiederholung der Auszählung forderte.
Den Protesten hatten sich den Angaben zufolge mehrere hundert Menschen angeschlossen. Als sich die zornige Menge dem Amtssitz des Bürgermeisters genähert habe, habe die Polizei auf die Demonstranten geschossen, sagte der Behördenvertreter weiter. Daraufhin sei der Protest von zahlreichen weiteren Bewohnern der Stadt unterstützt worden. Die Menschen hätten Einsatzwagen der Polizei und Gebäude der Stadtverwaltung beschädigt. Dabei seien "unglücklicherweise drei Zivilisten und ein Polizist getötet worden".
Noch keine offiziellen Zahlen
Zwei Tage nach der Wahl liegen aber weiter keine offiziellen Angaben zur Wahlbeteiligung vor. Die Behörden teilten lediglich mit, bis Sonntag Mittag seien 20,08 Millionen Stimmen ausgezählt worden. Das entspricht rund 43,3 Prozent der Wählerschaft. Eine Hochrechnung lässt sich daraus jedoch nicht ableiten, da die Behörden nicht mitteilten, wie viele Wähler in den ausgezählten Wahlbezirken zugelassen waren.
Die Wahlbeteiligung gilt als Gradmesser für die Unzufriedenheit der Wähler mit dem politischen System. Aus Protest gegen den Ausschluss tausender mehrheitlich reformierentierter Kandidaten durch den Wächterrat hatten zudem zahlreiche Reformpolitiker zum Boykott aufgerufen. Vor vier Jahren hatte die Wahlbeteiligung bei 67 Prozent gelegen.
Der konservative Wächterrat und der geistliche Führer Irans, Ayatollah Ali Khamenei, hatten am Samstag übereinstimmend von einer "gewaltigen Beteiligung" gesprochen. Khamenei erklärte, Sieger der Wahl sei das iranische Volk. Der staatliche Rundfunk berichtete am Sonntag weiter, dass die Wahlbeteiligung letztlich bei mindestens 60 Prozent liegen werde.
Ein Sprecher des zurzeit noch von Reformern dominierten Innenministeriums erklärte hingegen, die Behörde stehe unter enormem Druck seitens konservativer Kräfte, die Zahlen künstlich mit den offiziellen Medienberichten in Einklang zu bringen. Die Beteiligung werde jedoch landesweit unter 50 Prozent liegen und in Teheran sogar unter 30 Prozent.
(apa)
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