Donnerstag, 19. Februar 2004

Unruhen in Haiti: Aufständische organisieren sich neu

  • Rebellen-Führer droht mit Eroberung der Hauptstadt Port-au-Prince

In dem von bürgerkriegsähnlichen Unruhen erschütterten Karibikstaat Haiti haben sich die bewaffneten Rebellen neu organisiert. Zum Chef der in "Nationale Revolutionäre Front zur Befreiung Haitis" benannten Bewegung wurde der kürzlich aus dem Exil in der Dominikanischen Republik zurückgekehrte frühere Polizeichef Guy Philippe ernannt.

Für den Fall, dass Präsident Aristide nicht zurücktreten sollte, drohte Philippe in der Rebellenhochburg Gonaives mit Eroberung der viertgrößten Stadt Cap-Haitien und der Hauptstadt Port-au-Prince. Die internationale Gemeinschaft müsse Aristide zum Rücktritt bewegen, "andernfalls werden wir den Präsidentenpalast stürmen".

Haitianische Radioreporter berichteten aus Gonaives von mehreren hundert schwer bewaffneten Aufständischen in Kampfuniform. Aristide, dem seine Gegner Korruption und Machtmissbrauch vorwerfen, lehnt einen Rücktritt kategorisch ab. Bei den gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Anhängern und Gegnern Aristides wurden in den vergangenen zwei Wochen mehr als 55 Menschen getötet.

In einem Interview mit dem kanadischen Fernsehen erteilte Aristide unterdessen Forderungen nach Ernennung eines von der Opposition mitgetragenen Regierungschefs eine Absage. "Wenn Sie mir mit einer Opposition kommen, die öffentlich Terroristen unterstützt, dann fragen Sie mich nicht, ob ich so unverantwortlich sein könnte, ihnen einen solchen Posten anzubieten", sagte der bedrängte Staatschef. Zum französischen Vorschlag der Entsendung einer Friedenstruppe sagte Aristide, eine internationale Präsenz könne Ursprung einer Lösung sein. (apa)

19.2.2004 09:14