Donnerstag, 19. Februar 2004

Zypern-Treffen: Denktas und Papadopoulos äußern Zweifel

  • Zypriotischer Präsident: Forderungen der Türken sind "außerhalb des UN-Plans"

Nach der ersten Runde der Verhandlungen über die Wiedervereinigung Zyperns haben sich beide Seiten verhalten geäußert. Der zypriotische Präsident Tassos Papadopoulos warf den türkischen Zyprioten vor, sich mit ihren Forderungen "außerhalb des UN-Plans" zu bewegen. Das Treffen sei "nützlich" gewesen, aber "es ist zu früh, um von Befriedigung zu reden", sagte er in Nikosia.

Der türkische Vertreter Rauf Denktas warf seinerseits den griechischen Inselbewohnern vor, bestenfalls zu kleinen Änderungen des von den Türken kritisierten UN-Plans zur Wiedervereinigung bereit zu sein, da der EU-Beitritt am 1. Mai ohnehin sicher sei.

"Sie verhalten sich wie ein EU-Mitglied und wollen uns annektieren", sagte Denktas. Er selbst sei hingegen entschlossen, zu einer Lösung zu kommen. Beide Seiten wollten ab nun täglich unter UN-Vermittlung zu Verhandlungen zusammentreffen, sagte Denktas.

Optimistischer äußerte sich UN-Vermittler Alvaro de Soto. Dieser erklärte nach der ersten zweistündigen Begegnung, beide Seiten hätten "reichlich guten Willen" gezeigt. Auch nach der Einschätzung von EU-Erweiterungskommissar Günter Verheugen, der die Verhandlungspartner ebenfalls traf, stehen die Chancen für eine Wiedervereinigung Zyperns nach 30 Jahren der Teilung besser denn je.

Details zum Inhalt des Treffens zwischen Denktas und Papadopoulos wurden zunächst nicht bekannt. Im Zentrum der Gespräche steht ein Plan der Vereinten Nationen, der eine Föderation nach dem Vorbild der Schweiz vorsieht. Zypern soll demnach ein eigenständiger und föderaler Staat werden, der aus zwei gleichberechtigten Teilstaaten für die türkische und griechische Volksgruppe besteht. Wie die Kantone in der Schweiz sollen auch die zypriotischen Teilstaaten ihre eigene Regierung und Verfassung haben, über der jedoch das Grundgesetz des Gesamtstaates steht.

Zypern, das 1960 von Großbritannien unabhängig wurde, ist seit 1974 geteilt. Nach einem von der damaligen Athener Junta gesteuerten Putsch gegen Präsident Erzbischof Makarios besetzte die türkische Armee den Nordteil der Insel. 200.000 griechische Zyprioten wurden vertrieben und 110.000 Festland-Türken angesiedelt. Noch heute sind bis zu 40.000 türkische Soldaten im Nordteil stationiert. Völkerrechtlich tritt ganz Zypern am 1. Mai der Europäischen Union bei. Sollte es bis dahin keine Einigung geben, wäre die Türkei Besatzungsmacht in einem EU-Staat. (apa)

19.2.2004 08:57