Dienstag, 17. Februar 2004

Haiti-Krise: Frankreich prüft Entsendung von Friedenstruppe

  • Rebellen rücken weiter nach Süden in Richtung Port-au-Prince vor
  • Aristide bittet OAS um Unterstützung bei Eindämmung des Aufstands

Frankreich prüft die Entsendung einer internationalen Friedenstruppe in das von blutigen Unruhen erschütterte Haiti. Die Regierung in Paris habe einen Krisenstab gebildet, um über eine Lösung der Krise in dem Karibik-Staat zu beraten, sagte Außenminister Dominique de Villepin am Dienstag im französischen Rundfunk. Die Gespräche sollten mit "den Partnern im Rahmen der Vereinten Nationen" geführt werden. Mit Hilfe von Milizionären dringen unterdessen die Rebellen in Haiti weiter Richtung Hauptstadt Port-au-Prince vor.

Sie brachten am Montag die rund 100 Kilometer nördlich gelegene Stadt Hinche unter ihre Kontrolle, setzten die Polizeistation in Brand und befreiten Gefangene. Drei Polizisten seien getötet worden. Präsident Jean-Bertrand Aristide bat die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) um Unterstützung zur Eindämmung des seit eineinhalb Wochen anhaltenden Aufstands im Norden des Karibikstaates. Seit Anfang Februar sind bei bewaffneten Zusammenstößen zwischen Regierungsanhängern und -gegnern in Haiti mehr als 50 Menschen ums Leben gekommen.

Die haitianische Opposition fordert den sofortigen Rücktritt von Aristide, dem Inkompetenz und Korruption vorgeworfen werden. Der Präsident will jedoch seine bis Februar 2006 dauernde Amtszeit zu Ende führen. "Wir wollen darüber nachdenken, was in der Notsituation getan werden kann - kann man eine Friedenstruppe entsenden?", sagte De Villepin im Rundfunksender "France Inter".

Angesichts der sich zuspitzenden Krise im Nachbarland Haiti hat der Außenminister der Dominikanischen Republik, Francisco Guerrero Prats, die Weltgemeinschaft zum sofortigen Handeln aufgefordert. Die Krise könne andernfalls für die gesamte Region "schädliche" Folgen haben, erklärte Guerrero Prats in der Hauptstadt Santo Domingo. Seine Regierung stehe in ständigem Kontakt mit der Regierung in Port-au-Prince und anderen Ländern der Karibik-Region, um einen Ausweg aus der Krise zu suchen. Alle Vermittlungsversuche der Gemeinschaft der Karibikstaaten (Caricom) und der OAS schlugen bisher fehl. (apa/red)

17.2.2004 13:41