Blutiger Aufstand auf Haiti: Präsident bittet Ausland um Hilfe
- Rebellen erobern weitere Stadt, mehrere Tote bei Kampf um Saint-Marc
- Präsident Aristide will bis 7. Februar 2006 im Amt bleiben
Blutiger Aufstand mit vielen Toten auf Haiti, die Rebellen erobern eine weitere Stadt: Jetzt bittet Präsident Aristide, dessen Rücktritt von den Rebellen gefordert wird, das Ausland um Hilfe! Er hat die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) aufgerufen, zur Unterstützung im Kampf gegen die zunehmende Anarchie in seinem Land Polizeitruppen zu entsenden. "Mehrere Ministerpräsidenten der Region" hätten ihm Unterstützung zugesichert.
Das sagte Aristide am Montag vor Journalisten in seinem Amtssitz in Port-au-Prince. Er will bis 7. Februar 2006 im amt bleiben.
Rund 130 Kilometer Kilometer nordöstlich der Hauptstadt hatten bewaffnete Aufständische zuvor eine weitere Stadt, Hinche, unter ihre Kontrolle gebracht. Sie stürmten die Polizeiwache und töteten drei Menschen, darunter den regionalen Polizeichef und seinen Leibwächter.
Aristide betonte, die gegenwärtige Krise in seinem Land lasse sich nicht "auf der Straße", sondern nur auf dem Verhandlungsweg lösen. Die politische Opposition forderte er auf, sich von den Aufständischen im Norden des Landes zu distanzieren. Er bot ihr an, bis zu Neuwahlen einen Teil der Regierungsverantwortung zu übernehmen. Führende Vertreter der Opposition hatten jedoch schon in den vergangenen Tagen Wahlen ohne vorherigen Rücktritt Aristides abgelehnt, dem sie Machtmissbrauch und Korruption vorwerfen. Alle Vermittlungsversuche von OAS und der Gemeinschaft der Karibikstaaten (Caricom) waren bislang fehlgeschlagen. Bereits am Sonntag hatte die Oppositionsbewegung in Port-au-Prince den bewaffneten Konflikt im Norden des Landes kritisiert.
Unterdessen weiten sich die bewaffneten Aufstände weiter aus. Nach Angaben des Staatssekretärs für Kommunikation, Mario Dupuy, brachten bewaffnete Rebellen am Montag die 87.000 Einwohner zählende Stadt Hinche nahe der Grenze zur Dominikanischen Republik unter ihre Kontrolle. Rund 40 Mitglieder der 1994 aufgelösten Armee hätten zuvor die Polizeiwache von Hinche gestürmt und drei Menschen getötet, darunter auch den Polizeichef der Region, Jonas Maxime. Rundfunkinformationen zufolge soll der ehemalige Milizen-Chef von Ex-Diktator Raoul Cedras, Louis-Jodel Chamblain, den Angriff persönlich geleitet haben. Der berüchtigte Milizionär war erst am Wochenende aus dem Exil in der Dominikanischen Republik zurückgekehrt und hatte sich den Aufständischen angeschlossen.
Aristide war 1994 nach einer US-Intervention gegen Cedras wieder als Präsident eingesetzt, das Militär aufgelöst worden. Seitdem ist die Polizei die wichtigste Ordnungsmacht im Land. Nach dem Tod zweier Soldaten am Wochenende und aus Angst, die wachsende Anarchie könnte auf das eigene Land übergreifen, schloss die Dominikanische Republik unterdessen am Montag ihre gemeinsame Grenze mit Haiti. (apa)
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