Donnerstag, 19. Februar 2004

Freund erstach dreifache Mutter: Neun Jahre für Totschlag

  • Angeklagter: "Es war ein anderer in mir"
  • Totschlag, da der tödlichen Attacke ein Angriff der Frau vorausgegangen war

Weil er am 31. Mai 2003 im Zuge eines heftigen Streits seine Freundin Sabrina B. (23) erstochen hat, wurde Seref D. (27) am Donnerstag von einem Wiener Schwurgericht (Vorsitz: Friedrich Zeilinger) wegen Totschlags zu neun Jahren Haft verurteilt. Die Geschworenen verneinten mit 6:2 Stimmen die Mordanklage, weil der tödlichen Attacke ein Angriff der Frau vorausgegangen war. Die Reaktion - zwölf wichtige Stiche in ihre Burst und Bauchregion - qualifizierten die Laienrichter als "allgemein begreifliche, heftige Gemütsbewegung".

"Bei einem Strafrahmen von ein bis zehn Jahren erscheint das verhängte Urteil tat- und schuldangemessen", hieß es in der Begründung. Verteidiger Richard Soyer bat um Bedenkzeit. Staatsanwältin Sonja Herbst gab vorerst keine Erklärung ab. Die Entscheidung ist daher nicht rechtskräftig.

"Es war ein anderer in mir. Es ist einfach so passiert. Es tut mir so leid, es zerreißt mir das Herz", hatte der Angeklagte in seiner Einvernahme betont. Die Bluttat machte seine drei kleinen Kinder - zum Tatzeitpunkt sieben Jahre, 18 und sieben Monate alt - zu Halbwaisen.

Mit 14 war Seref D. mit seinem Vater nach Österreich ausgewandert. Der gebürtige Türke fand Arbeit als Kellner, sattelte später auf Kfz-Mechaniker um. Im Prater lernte er Sabrina kennen. Als sie 15 war, wurde sie erstmals schwanger.

Obwohl sich die Beziehung dauerhaft gestaltete, "sind sie sich trotz der Kinder nie näher gekommen", so der Verteidiger. Sabrina lebte mit dem Nachwuchs bei ihrer Mutter in Favoriten, ihr Freund in einer Kellerwohnung in einem anderen Bezirk. "Wir haben nie zwei Nächte hintereinander zusammen verbracht. Schuld dran war auch ihre Mutter. Sie hat sich immer in alles eingemischt", berichtete Seref D. Deswegen habe es auch zuletzt mit dem beabsichtigten Zusammenziehen nicht geklappt, obwohl er angeblich eine Bleibe gefunden und schon Möbel gekauft hatte.

Möglich, dass Sabrina aber auch wegen der unmotivierten Eifersucht ihres Freundes ein intensiveres gemeinsames Beisammensein ablehnte. Immer wieder unterstellte er ihr Männerbekanntschaften, stellte ihr heimlich nach, ohrfeigte sie, als er sie im Prater mit einem Burschen beobachtete, drohte ihr mit dem Umbringen, was sich sogar bis zur Staatsanwaltschaft durchsprach. Die Anzeige wegen gefährlicher Drohung wurde allerdings nicht weiter verfolgt.

Der tödliche Streit in der Wohnung, in der Sabrina lebte, entzündete sich allerdings an einem Kind: Als ihr eineinhalb Jahre alter Sohn das Essen ausspuckte, legte sie ihn in den Kinderwagen und schnallte ihn - weil er lauthals schrie - mit einem Gurt fest. Dagegen protestierte der Vater, worauf sie ihm eine angeblich eine Ohrfeige verabreichte. Er packte sie darauf am Hals und stieß sie von sich.

Seiner Darstellung nach hielt er die Auseinandersetzung damit für beendet und wollte sich wieder dem Abendessen widmen, als ihm seine Freundin für ihn überraschend ein Steakmesser in die linke Hand stieß.

"Als ich das Blut spritzen sah, hab' ich die Kontrolle verloren. Ich hab' auch zum Messer gegriffen. Meine Augen waren zu", erzählte Seref D. Die junge Frau verblutete noch auf der Wohnzimmercouch. Ihr Freund ging ins Kinderzimmer und gab dem 18 Monate alten Sohn das Fläschchen. Die beiden anderen Kinder waren zum Tatzeitpunkt außer Haus. Danach stellte sich Seref D. am nächsten Wachzimmer. (apa)

19.2.2004 17:10