Bub tot geprügelt: Richter vertagt Mord-Prozess
- Fortsetzung vermutlich am 17.3.
- Psychiater: Behinderter Sohn war für Vater "narzisstische Kränkung". "Mutter wollte intakte Familie"
Kein Urteil! Der Prozess gegen einen 42-jährigen Grazer, der im Mai 2003 seinen vierjährigen Sohn getötet haben soll, wurde am Dienstag in Graz vertagt. Die Mutter des Kindes ist wegen Quälens und Vernachlässigen angeklagt. Der Prozess wird voraussichtlich am 17. März fortgesetzt.
Der Gerichtspsychiater fand für die Tat keine Erklärung: "Es gibt kein Motiv, es war eine völlig sinnlose Tat, eine Eskalation der Gewalt." Helmut H. wurde vom Sachverständigen für Psychiatrie als "sehr einfach strukturiert" mit einer Neigung zu "rohen, aggressiven Verhaltensweisen in Stresssituationen" charakterisiert. Die Geburt eines behinderten Kindes habe für den Mann eine "narzisstische Kränkung" bedeutet. Wieso es in der Tatnacht zum völligen Ausrasten von Helmut H. gekommen war und er immer wieder seinen behinderten Sohn geschlagen und geschüttelt habe, bis dieser einen Tag später starb, konnte er nicht begründen: "Ich kann Ihnen die ganze Sache auch nicht erklären", meinte er zu den Geschworenen.
Eine Psychologin der Kinderklinik, die nach dem Tod des kleinen Daniel die vier verbleibenden Kinder betreut hatte, schilderte, dass bei der Mutter "eine gefühlsmäßige Betroffenheit nicht feststellbar war". Trotzdem sei die Frau "nicht kalt, aber emotionslos" gewesen, schilderte die Zeugin.
Der medizinische Gutachter sagte in aller Deutlichkeit, dass das Kind an "massiver Gewalteinwirkung" gestorben war. Er erklärte auch, dass bereits bei früheren Untersuchungen des Buben in der Kinderklinik die Ärzte aufmerksam hätten werden müssen. (apa)
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