Dienstag, 17. Februar 2004

Nachmittagsbetreuung: AK fordert weitere 100.000 Plätze

  • Laut Umfrage halten 68 Prozent der Eltern ganztägige Betreuung für "gute Sache"
  • 280 Mio. Euro Kosten bei Ausbau der Nachmittagsbetreuung

Die Arbeiterkammer (AK) fordert 100.000 zusätzliche Nachmittagsbetreuungs-Plätze an den österreichischen Schulen bis 2010. Primär solle dabei das Angebot an den Volksschulen ausgebaut werden, betonte AK-Präsident Tumpel. Tumpel schwebt wie Bildungsministerin Gehrer keine für alle Schüler verpflichtende Ganztagsbetreuung vor: "Unser Konzept baut auf Freiwilligkeit auf."

Bestätigt sieht sich Tumpel durch eine IFES-Umfrage vom Dezember 2003, die zu einem ähnlichen Ergebnis kommt wie eine vom Bildungsministerium am Wochenende vorgestellte Studie. Für die Studie befragt wurden 2.000 Personen. Demnach hielten 62 Prozent der Gesamtbevölkerung und 68 Prozent der Schülereltern (bis 14 Jahre) eine ganztägige Betreuung der Kinder für eine "gute Sache". Das Ministerium hatte in seiner Umfrage (mit geringerem Sample) erhoben, dass 74 Prozent der Eltern eine Nachmittagsbetreuung auf freiwilliger Basis als "gute Idee" einschätzten.

Tumpel und Gehrer ziehen trotz ähnlicher Ergebnisse aber unterschiedliche Schlüsse. Während Gehrer ihr Vorhaben, die Zahl der Nachmittagsbetreuungs-Plätze bis 2006 um 10.000 auf rund 55.000 zu erhöhen, bestätigt sieht, will der AK-Präsident bis 2010 auf rund 150.000 kommen. Seine Begründung: Laut IFES würden 40 Prozent der Eltern von Schulkindern, die derzeit keine Nachmittagsbetreuung für ihre Kinder haben, eine solche in Anspruch nehmen - 30 Prozent auf jeden Fall, zehn Prozent machen dies von der Preisgestaltung abhängig.

Die auf die öffentliche Hand zukommenden Kosten eines starken Ausbaus der Nachmittagsbetreuung wären beträchtlich: Neben Umbaumaßnahmen würden pro Jahr ca. 280 Mill. Euro an laufenden Kosten anfallen, schätzte Tumpel. 60 Mill. davon würden von den Eltern aufgebracht. Den Rest sollten nicht nur Länder und Gemeinden als Pflichtschul-Erhalter tragen, sondern auch der Bund, so der AK-Präsident. (apa)

17.2.2004 14:23