Gestohlenes Kirchengut: Reuiger Sünder brachte Beute zurück
- Pfarrer redete Übeltäter ins Gewissen
- Polizei ordnete kistenweise Kulturgüter ursprünglichen Besitzern zu
Wirklich unglaublich: Ein mutmaßlicher Dieb von Kirchengütern suchte - offenbar vom schlechten Gewissen geplagt - kürzlich einen Beichtstuhl in einer Grazer Innenstadtpfarre auf und vertraute seine schwarze Seele dem Priester an. Der Gottesmann redete dem Übeltäter ins Gewissen, kurze Zeit später türmten sich in der Pfarre Kisten und Säcke mit gestohlenem Kirchengut.
Beamte der Kripo Graz sind seither mit dem Zuordnen der Kulturgegenstände zu diversen Diebstählen in Kärnten, der Steiermark und dem Burgenland beschäftigt.
Ende Jänner war der Pfarrer vom reuigen Sünder aufgesucht worden, wenig später vertraute sich der Priester dann seinerseits der Polizei an. In Kisten und Säcken verpackt wurden Heiligenfiguren, Hostienkelche, Monstranzen, sechs Paar Barockengel, ein Messbuch, ein Reliquienkreuz, eine Christusfigur sowie Kerzenhalter im Pfarrhof deponiert gefunden. Die sakralen Gegenstände sind laut Polizei von erheblichem kulturellen Wert und wurden bei Diebstählen aus Kirchen in Kärnten, Steiermark und dem Burgenland erbeutet. Zur Person des mutmaßlichen Diebes wollte der Pfarrer unter Berufung auf das Beichtgeheimnis keine Angaben machen, so die Kripo.
Die Beamten der Kripo-Gruppe von Robert Koch (zuständig für die Ermittlungen bei Trick- und Taschendiebstählen sowie bei Kulturgüterdiebstahl) sind nun mit dem Zuordnen des sakralen Diebesgutes beschäftigt. Dies erfolgt in Zusammenarbeit mit dem steirischen Diözesanmuseum sowie mit Hilfe des so genannten Kulturgüterfahndungsprogramms. In diesem sind Beschreibung und wenn möglich Fotografien der Gegenstände enthalten. Es ist auch über das Internet für andere Dienststellen in Österreich und im Schengenbereich abrufbar, so Koch gegenüber der APA.
"Es ist uns gelungen, bis dato rund zwei Drittel der gestohlenen Gegenstände zuzuordnen", meinte Koch. Die Kulturgüter stammen aus Kirchendiebstählen im Zeitraum vom Sommer des Vorjahres bis Jänner 2004. Mit dem Fund sei zwar einiges aufgeklärt, "aber man kann leider nicht sagen, dass sich nun ein Großteil der Anzeigen nach Diebstählen aus Kirchen erledigt hätte", sagte der Kriminalbeamte.
Seit geraumer Zeit sei es zu einem massiven Ansteigen von Diebstählen aus Kirchen und Kapellen im östlichen Bundesgebiet gekommen. Zuvor hätten die Diebe eher den Westen Österreichs und hier verstärkt Tirol heimgesucht. Dort sei man nun aber aufmerksamer und vorsichtiger geworden, deshalb habe sich wohl die kriminelle Tätigkeit ins östliche Bundesgebiet und hier besonders in die Steiermark verlagert.
Reue hatte erst kürzlich zum Wiederauffinden einer vermissten Sakralfigur geführt: Ein ungarischer Kunsthändler hatte eine in Semriach gestohlene Christusstatue im November erworben, dann erfahren, dass sie aus einem Diebstahl stammte und der Gemeinde in Graz-Umgebung zurück gebracht. (apa)
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