Sonntag, 15. Februar 2004

Parmalat-Untersuchungen: Jetzt auch um Tanzi-Tochter

  • Causa Parmalat: Justiz fahndet nach Geheimkonten
  • Parmalat-Skandal: Österreichische Anleger sind kaum betroffen

Die Ermittlungen um mutmaßliche Geldwäsche im Zusammenhang mit der Pleite des italienischen Nahrungsmittelkonzerns Parmalat laufen auf Hochtouren. Die Staatsanwälte, die Tanzi am Samstag in der Strafanstalt von Parma vernommen haben, versuchen inzwischen die Rolle der Tochter des Firmengründers, Francesca, in der Affäre zu klären.

Die 36-jährige Francesca Tanzi, Chefin der Parmalat-Tourismusfirma Parmatour, wird beschuldigt, Geld aus den Kassen des Milchriesen geschöpft zu haben, um die Schulden ihrer Gesellschaft einzudämmen. Die enormen Verluste Parmatours hatten die Lawine des Skandals um das Manko in den Parmalat-Kassen ins Rollen gebracht.

Calisto Tanzi verteidigte seine Tochter und betonte, sie habe niemals strategische Beschlüsse für Parmatour ergriffen. Er belastete seine Nichte Paola Visconti, die seiner Ansicht nach bei den Parmatour-Beschlüssen das letzte Wort hatte. In den vergangenen Wochen war Francesca Tanzi vom Ex-Finanzchef von Parmalat, Fausto Tonna, schwer belastet worden.

Die Staatsanwälte überprüfen zudem die Lage des Rechtsanwalts Michele Ributti, Ex-Verteidiger des inhaftierten Parmalat- Firmengründers Calisto Tanzi, dem Geldwäsche vorgeworfen wird. Die Ermittler gehen davon aus, dass über die von Ributti gegründete Gesellschaft "Tulipano" über zwei Millionen Schwarzgelder aus den Parmalat-Kassen in der Schweiz gewaschen worden seien. Ributti hatte am Freitag auf Tanzis Verteidigung verzichtet.

Ributti soll über ein Konto der Schweizer Bank Pkb das Geld gewaschen haben. Das Bankkonto stand unter dem Namen der Tessiner Rechtsanwaltskanzlei Spiess, zu deren Kunden auch der Ex-Chef der skandalumwitterten Geheimloge P2 (Propaganda Due), Licio Gelli, zählte, berichteten italienische Medien am Sonntag.
(apa)

15.2.2004 12:39