Samstag, 14. Februar 2004

Causa Parmalat: Justiz fahndet nach Geheimkonten

  • Ermittlungen um Rechtsanwalt Tanzis wegen Geldwäsche laufen
  • Parmalat-Skandal: Österreichische Anleger sind kaum betroffen

Die Mailänder Staatsanwälte ermitteln um mutmaßliche Geheimkonten, die der inhaftierte Firmengründer des insolventen Nahrungsmittelkonzerns Parmalat, Calisto Tanzi, in der Schweiz versteckt haben soll. Über 100 Millionen Dollar könnten sich auf Schweizer Bankkonten befinden, berichtete die Mailänder Wirtschaftszeitung "Sole 24 Ore".

Auf dem Schweizer Konto soll sich ein Großteil der Summe befinden, die die schwedische Verpackungsfirma Tetra Pak Parmalat als Rabatte für Großaufträge gewährt hatte. Hinter den Schweizer Bankkonten Tanzis steckt laut den Ermittlern der bisherige Rechtsanwalt des entthronten Milchkönigs aus Parma, Michele Ributti, gegen den diese Wochen Ermittlungen wegen mutmaßlicher Geldwäsche eingeleitet wurden. Ributti hatte am Freitag auf das Mandat auf Tanzis Verteidigung verzichtet.

Am Samstag wurde Tanzi, der sich seit Montag in der Strafanstalt seiner Geburtsstadt Parma befindet, erneut von den Ermittlern vernommen. Vor allem seine Beziehungen zu Politikern der Opposition und der Regierung beschäftigen die Staatsanwälte. Tanzi soll jährlich bis zu zwei Millionen Euro ausgegeben haben, um Kontakte zu einflussreichen Politikern zu pflegen. Nach Angaben der römischen Tageszeitung "La Repubblica", die sich auf Tanzis Vernehmungen bezog, führte der Großindustrielle eine intensive Lobby-Arbeit, um sich die Gunst der politischen Elite zu sichern.

Laut der Tageszeitung hatte Tanzi beste Kontakte zum amtierenden Regierungschef Silvio Berlusconi, zu EU-Kommissionspräsident Romano Prodi, zu Vizepremier Gianfranco Fini und zu Kammerpräsident Pier Ferdinando Casini aufgebaut. Mitarbeiter Prodis und Casini bestritten jedoch Verbindungen zu Tanzi heftig. (APA)

14.2.2004 14:00