Peter Pühringer: Ein Spekulant in Spendierhosen
- Der Starinvestor lässt Studenten mit Millionen jonglieren
- Pühringer: "Trüffelschwein, das nach Überrenditen kämpft"

Fondsinvestor und Coburg-Chef Peter Pühringer lässt 18 Studenten mit einer Million Euro jonglieren und sponsert die Sängerknaben mit 4 Millionen.
Das hat Josef Zechner (Bild, re.) schon lange nicht erlebt. Der 48-jährige Finanzwirtschaftsprofessor der Universität Wien ist derzeit von Studenten umgeben, die in den Ferien freiwillig Finanzmarkt-Theorien pauken, stundenlang über Währungsentwicklungen diskutieren und obendrei noch überpünktlich zu Besprechungen erscheinen.
Der Grund, weshalb die Hormone der Studiosi verrückt spielen, ist deren Teilnahme an einer exklusiven Millionenshow: Nach fünfmonatiger Vorbereitung werden 18 handverlesene Studenten ab März eine Million Euro an den internationalen Kapitalmärkten platzieren und "das in der Theorie erarbeitete Wissen dem Praxistest unterziehen" (Zechner).
Für das zweijährige Praxisseminar erhalten die Studenten am Ende zwei Uni-Zeugnisse. Vom Gewinn bleiben Juniorfondsmanager aber noch ausgeschlossen. Zechner: "Dann müssten wir sie auch an den Verlusten beteiligen." Nachsatz: "Sollte die Performance aber stimmen, zahlen wir den Studenten als Belohnung gerne die Teilnahme an in- und ausländischen Konferenzen."
Ermöglicht wurde dieses derzeit einzigartige Projekt durch den deutsch-österreichischen Investor Peter Pühringer, der zuletzt als Hausherr des neu eröffneten Nobelhotels Palais Coburg in Erscheinung trat. Zusammen mit den Professoren Zechner und Engelbert Dockner gründete der 62-jährige Multimillionär im Vorjahr das ebenfalls im Coburg domizilierte Institut für Strategische Kapitalmarktforschung (ISK). Damit und mit dem kürzlich besiegelten Vier-Millionen-Euro-Engagement bei den Wiener Sängerknaben erweitert Finanzmagnat Pühringer seine persönliche Erfolgsstory als Österreichs engagiertester Mäzen um ein weiteres Kapitel.
Das nötige Kleingeld für seine Sponsoringaktivitäten verdient "das Trüffelschwein, das nach Überrenditen sucht" (Pühringer über Pühringer) auf den Finanzmärkten: Sein 144 Millionen Euro schwerer Zins-Zyklus-1-Fonds (ZZ1) erzielte seit August 1996 durchschnittlich 23 Prozent per annum. Der ZZ1 führt aber nicht nur sämtliche Rentenfonds-Rankings zwischen New York und Tokio an, sondern adelt auch seinen Manager Peter Pühringer als einen der besten Zocker der Welt.
Den Grundstein für den Reichtum legte Pühringer Mitte der siebziger Jahre in Saudi-Arabien. Damals belieferte er die saudische Armee sechs Jahre lang mit Fertigbetonbauteilen für die Errichtung von Offizierswohnungen. Während die Ölquellen der Scheichs sprudelten, füllten sich die Kassen des Gastarbeiters Pühringer. Mit dem Geld aus der Wüste mauserte sich der in Ostdeutschland geborene Sohn eines österreichischen Uhrmacher- und Optikermeisters zum westdeutschen Immobilienhai. Das mittlerweile auf 28 Zinshäuser in Berlin angewachsene Immoreich versorgt die POK-Stiftung noch heute mit jährlichen Mieteinnahmen von rund sechs Millionen Euro.
Auf die ISK-Studenten, die das Coburg-Ambiente derzeit besonders genießen, wartet indes eine neue Herausforderung: Pühringer plant, im Frühjahr einen neuen ISK-Dachfonds aufzulegen, der von einem ISK-Team gemanagt werden soll. Die Besonderheit dabei: "Die Manager werden rein erfolgsabhängig bezahlt." Die bei Fonds üblichen fixen Ausgabeaufschläge und Management-Fees fallen zur Gänze weg. Der neue Fonds wird mit zehn Millionen Euro starten. Wer so viel Geld hinlegen soll? "Natürlich ich", sagt Pühringer, "aber ganz Österreich ist eingeladen, am Experiment teilzunehmen."
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