Erste Vernehmungen: Tanzi kaufte Freundschaft von Prodi und Berlusconi
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Ungefähr 1,5 bis zwei Millionen Euro pro Jahr lies sich Tanzi die Freundschaft von Politikern kosten. Damit sponserte er auch Wahlkämpfe von Politikern. Unter anderem die Wahl von Berlusconi 2001. Die römische Tagezeitung "La Republica" berichtet in ihrer Freitagsausgabe von einer intensiven Lobby-Arbeit des Ex-Parmalat-Chef um sich "Aufmerksamkeit für sein Unternehmen" zu sichern.
Das Geld diente Tanzi vorallem dazu, solide Beziehungen zur Politik aufzubauen, um so leichter die Unterstützung der Banken zu erhalten. "Tanzi führte Lobby-Arbeit, er schmierte die Politiker nicht. Er wollte nur ein Netz von Freundschaften mit der politischen Riege aufbauen. Er finanzierte Initiativen der Politiker, Wahlkampagne, er sponserte dieses oder jene Event, er machte Geschäfte mit Personen, die bestimmten Politikern am nächsten standen. Dafür erwartete er sich Aufmerksamkeit für seine Firma", hieß es aus Ermittlerkreisen nach Angaben von "La Repubblica".
Nach Berlusconis Einstieg in die Politik 1994 begann Tanzi die Werbekampagne für die Produkte seiner Parmalat vom Staatsfernsehen RAI auf die Fininvest-Kanäle des Mailänder Medienzaren zu verlegen. Tanzi soll auch Millionen ausgegeben haben, um Berlusconis Wahlkampagne 2001 zu sponsern. Er soll in den neunziger Jahren außerdem beim Forschungsinstitut Nomisma unter Kontrolle des EU-Kommissionspräsidenten Romano Prodi mitgemischt haben.
Der 65-jährige Tanzi, der sich seit dem 27. Dezember wegen Betrugs und Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung hinter Gittern befindet, pflegte auch Kontakte zum Vizepremier und Chef der rechten Regierungspartei Alleanza Nazionale, Gianfranco Fini, sowie zum amtierenden Kammerpräsidenten Pier Ferdinando Casini. "Bei Wahlkampagnen sprach ich mit Casini und Fini. Sie empfahlen mir Kandidaten, die ich finanziell unterstützen konnte", wurde Tanzi von "La Repubblica" zitiert.
Der Großindustrielle soll auch einige italienische Zeitungen finanziert haben. Zu ihnen zählt die Mailänder Wirtschaftszeitung "Sole 24 Ore", die vom einflussreichen Unternehmerverband Confindustria herausgegeben wird. Auch die von Berlusconis Frau Veronica Lario herausgegebene Tageszeitung "Il Foglio" soll Tanzi finanziell unterstützt haben. Auf Rat der Gläubigerbank Capitalia habe Tanzi hinzu der kommunistischen Tageszeitung "Il Manifesto" Geld zugesteckt", berichtete "Repubblica". (APA)
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