Freitag, 13. Februar 2004

Der Osten rollt an: Freier Warenverkehr ab 1. Mai 2004

  • FORMAT: Osterweiterung bringt für viele Spediteure neue Chancen
  • Der Transport wird aber nicht billiger

Teure Prüfzertifikate, Zollabwicklung und natürlich Zeitverlust durch lange Grenzwartezeiten haben die Transporte zwischen Ost und West bislang extrem mühsam gemacht. In zweieinhalb Monaten ist das anders. "Durch den EU-Beitritt sparen wir uns zehn bis zwanzig Prozent der Transportkosten", kalkuliert etwa Baumax-Chef Martin Essl.

In der Tat bringt das Hochgehen der Grenzbalken gerade der Transport- und Logistikbranche erhebliche Erleichterungen - aber auch Herausforderungen. Die Hoffnung, dass sich durch den freien Warenverkehr Einsparungen für die Kunden ergeben, zerstreuen die Transportunternehmer umgehend. Wolfgang Niessner, Osteuropa-Vorstand bei Gebrüder Weiss: "Der Transport wird sicher nicht billiger. Ein Grund dafür ist auch das Road Pricing, das gerade in den Beitrittsländern schneller kommen wird, als wir heute annehmen."

Dass die heimische Transport- und Logistikbranche durch die Erweiterung gehörig unter Druck kommen wird, legt eine aktuelle KPMG-Studie nahe. KPMG-Experte Gerald Auböck bringt die Stimmung in der Branche auf den Punkt: "Die großen Unternehmen sehen in der Öffnung Chancen für steigende Umsätze. Bei den kleinen ist die Angst vor erhöhtem Kostendruck sehr, sehr groß."

Kostenfaktor Fernfahrer
Besonders hoch ist der Kostendruck jedoch beim Faktor Mensch. "Das wirklich Teure am Transport ist der Mann hinterm Steuer", so KPMG-Mann Auböck. So betragen die Lohnkosten pro gefahrenen Kilometer im EU-Schnitt 40 Cent, in Tschechien, Ungarn oder der Slowakei liegen sie bei etwas mehr als zehn Cent. Bei einer Fahrt Wien-Istanbul-Wien hat der österreichische Frächter Lohnkosten von 42 Prozent, der ungarische hingegen nur 15,6 Prozent. Diese Kostenvorteile können jedoch nur Unternehmen nutzen, die im Osten bereits Filialen haben, vornehmlich die Großen wie Gebrüder Weiss oder Schenker.

Auböcks Prognose: "Die Großen werden weiter Ost-Firmen kaufen, den Kleinen bleibt nur die Spezialisierung oder der Zusammenschluss in Netzwerken." Spezialisierung heißt, auf ausgesuchte Branchen, etwa Logistik für den Pharmabereich, zu setzen oder Dienstleistungen auf begrenzten lokalen Märkten, zum Beispiel in Grenznähe, anzubieten.

Derzeit laufen auch Bemühungen, mittelständische Transportunternehmer zu Großverlader-Allianzen zusammenzuschließen. Über ein elektronisches Frachtvergabe-Netz werden die Lkws koordiniert, um Leerfahrten zu vermeiden.

Die Erweiterung birgt aber auch Chancen für die Transportbranche. Eindeutige Boom-Regionen wie Böhmen, die mittlere Slowakei, Westungarn, aber auch der Großraum Ljubljana, die viele Direktinvestoren angezogen haben, müssen auch beliefert werden.

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13.2.2004 10:20