Freitag, 13. Februar 2004

"Team Tiger": Skeptische Reaktionen auf Stronach-Vorschlag für Nachwuchs

  • Rapid-Trainer Hickersberger: "Surreal", Hörmann: "Faschingsscherz"
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Fast durchwegs skeptisch haben die Trainer der Fußball-Bundesligisten auf den Vorschlag von Bundesliga-Präsident Stronach reagiert, ein so genanntes "Tiger Team" aus jungen österreichischen Spielern zu bilden und es wettbewerbsmäßig gegen die Oberhaus-Vereine antreten zu lassen. Man darf jedenfalls auf den 19. Februar gespannt sein, wenn der Austria-Mäzen seinen Plan auf der Präsidenten-Konferenz auf den Tisch legt. Stronach ist fest entschlossen, Druck auszuüben.

Rapid-Trainer Josef Hickersberger hält die Idee, wonach der Sieger des Bewerbs unter Umständen im UEFA-Cup spielen könnte, für "surreal", und würde, sollte der "Liga-Pokal" tatsächlich Realität werden, keinen Spieler für die Auswahl abstellen. Ebenfalls einen klar ablehnenden Standpunkt nehmen GAK-Coach Walter Schachner, der nicht versteht, warum seine Ersatzspieler womöglich in Hollabrunn trainieren sollten, und Salzburg-Betreuer Walter Hörmann, der sogar von einem "Faschingsscherz" sprach, ein.

Auch die meisten übrigen Trainer können sich mit den Vorstellungen Stronachs nicht anfreunden. Ex-ÖFB-Teamchef Herbert Prohaska zählt ebenfalls zu den Skeptikern. "Das funktioniert zu 100 Prozent nicht. Als einzige Möglichkeit sehe ich, dass man das Konzept der Red Zac-Erste Liga übernimmt und dazu eine gute Ausländer-Begrenzung anpasst", sagte "Schneckerl."

Vorsichtig positive Reaktionen kommen von der Regierung und vom ÖFB. Sportstaatssekretär Karl Schweitzer ist über die Stronach-Vorstellungen "sehr froh " und meint: "Das ist eine absolut gute und konstruktive Diskussionsgrundlage, wie man jungen Spieler qualitativ zu mehr Spielpraxis verhelfen kann", erklärte der FP-Politiker. Die Idee sei auch im Hinblick auf die EM-Endrunde 2008 in Österreich und der Schweiz eine ausgezeichnete Sache.

Für ÖFB-Präsident Friedrich Stickler ist jede derartige Idee würdig für Diskussionen und Überlegungen, ob sie auch weiterhilft und Österreich spätestens 2008 für die Euro ein gutes Team hat. Mit dem Future- und dem Challenge-Projekt, zu dessen Mentoren auch Stronach zählt, verfüge man bereits über zwei sehr weit reichende Förderungs-Programme für den Nachwuchs. "Von den 25 Akteuren der Future-Auswahl spielen bereits 19 in der ersten oder zweiten Liga", so Stickler.

Für den Vorstandschef der Lotterien ist aber jedes weitere Programm, das zusätzliche Talente erfasst, die in ihren Vereinen nicht zum Einsatz kommen, zu begrüßen. "Solche Spieler werden am meisten gefördert, wenn sie von ihren Mannschaften in der Kampfmannschaft eingesetzt werden", sagte Stickler gegenüber der APA. Das ganze ist auch eine finanzielle Frage. "Der ÖFB hat nur beschränkte Mittel, er könnte den Klubs keine Ablösen zahlen". Stickler, der zur Sondierung Experten arbeiten lassen möchte, sucht so rasch wie möglich das Gespräch mit Stronach.

Der aktuelle Teamchef Hans Krankl, der am Samstag seinen 51. Geburtstag feiert, liegt auf ähnlicher Linie wie sein Arbeitgeber: "Jede Idee zur Förderung unserer Jugend ist grundsätzlich positiv zu sehen und zu begrüßen. Ich hatte schon vor einem Jahr Ähnliches im Sinn. Die Herrn Stronach und Stickler müssen aber noch viel ausdiskutieren. Es gibt viele Probleme in der Umsetzung. Die Trainer-Frage ist das kleinste Problem, wir haben viele Mitarbeiter im ÖFB."

Weitere Reaktionen

Georg Zellhofer (Superfund Pasching): "Ob das machbar ist, lasse ich einmal dahingestellt. Welcher Verein hat so viele junge österreichische Spieler, die dort spielen können? Dass dieser Bewerb maßgeblich für einen UEFA-Cup-Platz wird, kann ich mir nicht vorstellen."

Regi van Acker (SW Bregenz): "In der Theorie hört sich das vielleicht gut an, aber in der Praxis ist es für einen kleinen Verein wie wir es sind ein Problem. Für die Austria wäre es unter Umständen gut, aber nicht für uns."

Raschid Rachimow (Admira) wollte keinen Kommentar abgeben: "Ich habe mir darüber noch keine Gedanken gemacht."

Werner Gregoritsch (Mattersburg): "Ich kann das organisatorisch nicht nachvollziehen. Für uns wäre es unmöglich, Spieler abzustellen, dazu ist unser Kader zu klein."

Walter Hörmann (Salzburg): "Das ist nicht realisierbar, nur heiße Luft. Das klingt ein bisschen nach einem Faschingsscherz. Ich glaube, die Sache ist an die Öffentlichkeit gekommen, ohne dass darüber richtig geredet worden ist. Es wäre sinnvoller, dass Vereine Geld bekommen, wenn sie junge österreichische Spieler einsetzen."

Michael Petrovic (Sturm): "Keine schlechte Idee. Aber ich habe ein bisschen Angst, dass die Spieler, die dort zum Einsatz kommen, glauben, sie seien schon fertige Spieler, nur weil sie in dieser Auswahl kicken. Für den Verein wäre es auf jeden Fall nicht einfach, wenn ein Spieler ein ganzes Jahr weg ist."

Günter Hafner (Manager FC Kärnten/Trainer Peter Pacult war nicht erreichbar): "Man muss alles überdenken, eine Zwölfer-Liga wäre das Beste, dann könnte ich mir eine Mannschaft aus jungen Spielern vorstellen. Ich glaube, das würden viele befürworten, weil alle außer der Austria krachen wie die Kaisersemmeln."

(apa/red)

13.2.2004 12:57