Donnerstag, 12. Februar 2004

Brigitte Bardot und Le Pen: Wegen Rassenhasses vor Gericht

  • Prozess in Paris beginnt am Freitag
  • BB bemüht sich, einzulenken

Er sieht in ihr eine "große, freie, mutige Persönlichkeit", sie bescheinigt ihm, dass er "seinen Ideen treu bleibt und sich nicht scheut, gegen die Strömung zu schwimmen". Der 75-jährige Jean-Marie Le Pen und die 69-jährige Brigitte Bardot versichern sich gern gegenseitiger Wertschätzung und kennen sich bestens. Bardot und Le Pen standen schon wiederholt wegen ausländerfeindlicher Äußerungen vor Gericht. Am Freitag ist es wieder so weit.

Ihren vierter Ehemann, Le Pens Parteigänger Bernard d'Ormale, hatte Bardot 1992 bei einem Diner auf Einladung des rechtsextremen Politikers kennen gelernt.

Die Ex-Diva soll für ihr 2003 erschienenes Buch "Un cri dans le silence" ("Ein Schrei in der Stille") zur Rechenschaft gezogen werden. Darin eifert sie etwa gegen das rituelle Schafeschlachten zum islamischen Opferfest. Durch diese "unerträglichen Praktiken" würden "die Wohnungen in Blut getaucht und die Mülleimer mit Fellen, Knochen und blutenden Schädeln voll gestopft".

Und die Attentate vom 11. September 2001 in den USA gehören für Bardot zu demselben "terroristischen Gemetzel", das von "monströsen, satanischen Menschen" ausgeübt werde. In einem Atemzug beklagt sie, dass die Bevölkerung von jungen Islamisten "terrorisiert", dass "Mädchen vergewaltigt, auf Polizisten gespuckt und Pitbulls für den Angriff scharf gemacht" werden.

Le Pen wurde von der französischen Menschenrechtsliga (LDH) angezeigt, weil er sich im April 2003 in einem "Le Monde"-Interview über seine Vision von einem Frankreich mit 25 Millionen Moslems ausließ. Dann, so sagte Le Pen, "werden sie das Kommando haben - und die Franzosen schleichen an den Wänden entlang, sie machen mit gesenkten Köpfen die Gehsteige frei." Täten sie das nicht, werde es nach dem Motto gehen: "Schnell weg hier, oder es gibt Dresche."

Solche Äußerungen erfüllen für die LDH den Straftatbestand der Förderung von "Diskriminierung, Hass und Gewalt gegen Menschen moslemischen Glaubens". Le Pen soll zur Zahlung von 100.000 Euro zu Gunsten der Verteidigung der Menschenrechte und für den Kampf gegen Rassismus verurteilt werden.

BB versucht, einzulenken
Bardot war zuletzt sichtlich bemüht, ein wenig einzulenken. Bei einem Gespräch mit dem Chef des Zentralrats der Moslems in Frankreich, Dalil Boubakeur, ließ sie sich am Mittwoch Möglichkeiten erläutern, am traditionellen Opferfest Lämmer vor dem Schlachten elektrisch zu betäuben. Sie schenkte dem Rektor der Großen Pariser Moschee einen Briefbeschwerer in Form eines Widders. Der revanchierte sich mit einer zweisprachigen Ausgabe des Korans - und der Empfehlung, sie solle zunächst die kurzen Suren lesen.
(apa, red)

12.2.2004 15:12