Donnerstag, 12. Februar 2004

Klon-Forscher in Korea: Erstmals menschlicher Embryo geklont!

  • Wissenschafter haben Stammzellen gewonnen
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Südkoreanische Wissenschafter haben nach eigenen Angaben erstmals einen menschlichen Embryo geklont - und damit, ebenfalls nach eigenen Angaben, neue Hoffnung auf Heilungsmöglichkeiten für Alzheimer-Kranke und Diabetiker geweckt. Das Forscherteam habe aus dem geklonten Embryo embryonale Stammzellen gewonnen, sagte Projektleiter Woo Suk Hwang der Wissenschafts-Zeitschrift "Science".

Die Stammzellen seien identisch mit der Spenderin und könnten damit für die Behandlung möglicher Krankheiten genutzt werden.

Bisher waren alle Versuche, menschliche Embryos zu therapeutischen oder reproduktiven Zwecken zu klonen, gescheitert. Der von den südkoreanischen Forschern vermeldete Erfolg wäre damit eine Weltpremiere.

Woo und seine Kollegen von der Nationaluniversität in Seoul nutzten die klassische Klontechnik, mit der bereits das berühmte Klonschaf "Dolly" das Licht der Welt erblickte. Die Forscher stellten zunächst wandlungsfähige Stammzellen her, indem sie einer Frau den Kern einer adulten Zelle entnahmen und in ihre Eizelle verpflanzten. Mit dem dabei entstandenen Keimbläschen sei eine Zellmasse erzeugt worden - ein Embryo im frühem Stadium. Daraus wiederum wurden die embryonalen Stammzellen gewonnen.

Die bei dem Verfahren gewonnenen Stammzellen könnten für die Krankheitsbehandlung des jeweiligen Spenders verwendet werden, wahrscheinlich ohne dass der menschliche Körper sie abstoße, betonte Woo. dessen Forschungsergebnisse wurden am Donnerstag auf der Internetseite von "Science" vorgestellt.

Seinen Erfolg verdankte das südkoreanische Team nach eigenen Angaben unter anderem der großen Zahl an 242 weiblichen Eizellen, die von 16 Freiwilligen zur Verfügung gestellt wurden. Mittels einer neuen Technik konnte der Zellkern vergleichsweise sanft entfernt werden, um seine DNA nicht zu beschädigen. Dennoch hätten sich aus gerade einem von 20 Zellcluster embryonale Stammzellen entwickelt.

Nach Angaben der US-Wissenschaftsgesellschaft wurde diese Methode zur Zellgewinnung bislang nur bei Mäusen erfolgreich angewandt, nicht aber beim Menschen. Es handle sich um eine wissenschaftliche Premiere, meinte auch "Science"-Chefredakteur Donald Kennedy. Jedoch müssten für eine mögliche Anwendung bei Transplantationen noch "wichtige wissenschaftliche Hürden überwunden werden". Embryonale Stammzellen sind bei Wissenschaftern besonders begehrt, da sie im Körper zu vielen verschiedenen Gewebearten heranwachsen können. Traum vieler Wissenschafter ist es, im Labor Gewebe für verschiedene Organe zu produzieren, um dieses für Transplantationen einzusetzen.

Mögliche Vorbehalte gegen ihre Arbeit versuchten die südkoreanischen Forscher gleich zu entkräften: Es handle sich um ein Verfahren für therapeutisches Klonen, betonte Woo. Ziel sei nicht die Herstellung eines Klonbabys.

Bislang verwendeten Forscher nur menschliche Stammzelllinien aus Embryonen, die bei der künstlichen Befruchtung geblieben waren. Die gewonnenen Zellen haben das gleiche Erbmaterial wie die Frau, aus der die Hüllzellen der Eizelle stammen. Im Labor haben sich die Zellen unter anderem bereits zu Vorläufern von Nerven, Muskeln, Bindegewebe und Knorpel entwickelt. Hwang hatte 1999 die ersten Kälber aus geklonten Zellen in Südkorea produziert. (apa/ red)

12.2.2004 14:34