Mittwoch, 11. Februar 2004

Iran feiert 25-jähriges Jubiläum der Republik

  • Khatami positioniert sich klar als Mann der Mitte
  • Feiern von schwerer innenpolitischer Kirse überschattet

Vor dem Hintergrund einer schwelenden innenpolitischen Krise haben am Mittwoch im Iran Millionen das 25-jährige Jubiläum der islamischen Revolution und des Sturzes der Monarchie gefeiert. Gut eine Woche vor der umstrittenen Parlamentswahl plädierte Staatspräsident Khatami für eine "islamische Demokratie".

Diejenigen, die einer Trennung von Staat und Religion nach westlichem Muster anhingen, gefährdeten die Unabhängigkeit sowie die historische Identität der iranischen Nation, sagte Khatami auf der zentralen Kundgebung in Teheran. "Und jene, die die Demokratie unter dem Deckmantel des Islam untergraben, bedrohen das Land gleichermaßen", fügte er hinzu.

Nach der Flucht des pro-westlichen Schah Mohammed Reza Pahlevi etablierte der aus dem Exil heimgekehrte Schiitenführer Ayatollah Khomeini eine Islamische Republik. Am 11. Februar 1979 hatten sich die iranischen Streitkräfte kurz nach der Rückkehr des Revolutionsführers für neutral erklärt. Der letzte vom Schah ernannte Regierungschef Shapur Bakhtiar tauchte unter.

"Ich bin stets - und werde das auch in Zukunft tun - für die dritte Option (neben Theokratie und Säkularismus, Anm.) gestanden: Demokratie auf der Grundlage der Religion", sagte Khatami, den in der Vergangenheit viele als Hoffnungsträger für eine Liberalisierung des politischen Systems angesehen hatten.

Der von der konservativen Geistlichkeit beherrschte Wächterrat hat über 2.000 reformorientierte Kandidaten von der Teilnahme an der Parlamentswahl am 20. Februar ausgeschlossen. Das letzte Wort in dem Streit hat als höchste Instanz Khomeinis Nachfolger als geistlicher Führer Ayatollah Ali Khamenei. Khatamis Regierung hatte noch in der vergangenen Woche angekündigt, die Wahlen nur dann abzuhalten, wenn sie einen freien und fairen Verlauf garantieren könne. Doch scheiterte ein letzter Versuch, den vom Wächterrat definitiv abgelehnten Kandidaten doch noch die Teilnahme zu ermöglichen. Die Bitte der Regierung um eine Verschiebung der Wahl lehnte Khamenei ab.
(apa)

11.2.2004 12:07