Rätsel um Rybkin: Tritt er nicht bei Präsidentschafts-Wahlen an?
- Putin-Gegner war fünf Tage lang verschollen: "Ich bin froh, dass ich zurück bin"
·Rybkin lebt!
Putin-Gegner war "bei Freunden"
·Rybkins Frau:
"Hole ihn nicht vom Flugplatz ab"
·Russland-Wahl
Putin will noch einmal antreten
Er tauchte nach fünf Tagen wieder auf - der russische Präsidentschaftskandidat Iwan Rybkin. Jetzt gibt es Gerüchte, dass er nicht bei den Präsidentschafts-Wahlen gegen Putin antreten wird! Die Hintergründe sind mysteriös: "Ich war bei Freunden in Kiew..." meinte der Verschollene. Es wurde vermutet, Rybkin habe aus politischen Gründen sein Verschwinden inszeniert, er sei Opfer einer Intrige innerhalb der Partei Liberales Russland oder gar Ziel eines Anschlags der Geheimdienste geworden.
Nach seiner Rückkehr nach Moskau hat der wieder aufgetauchte Präsidentschaftskandidat die Aufgabe seiner Kandidatur gegen Amtsinhaber Putin nicht ausgeschlossen. Er werde möglicherweise den Kampf um das Präsidentenamt aufgeben, sagte Rybkin am Dienstagabend am Moskauer Flughafen. Sein wichtigster Sponsor habe ihm gesagt, seine politische Karriere scheine vorüber zu sein.
Der 57-jährige Politiker sah blass aus, als er den Moskauer Flughafen verließ, und gab teilweise verwirrende Antworten auf die Fragen der Journalisten. Rybkin war seit Donnerstag vermisst worden. Sein Verschwinden hatte Spekulationen ausgelöst, einer der schärfsten Kritiker Putins sei Opfer einer Entführung durch politische Gegner geworden.
"Ich komme zurück mit einem Gefühl, als ob ich eine Runde von Verhandlungen mit den Tschetschenen hinter mich gebracht hätte", sagte Rybkin in Moskau, die Augen hinter getönten Brillengläsern und auf den Boden gerichtet. "Ich bin froh, dass ich zurück bin." Der frühere Parlamentspräsident und ehemalige Unterhändler im Tschetschenien-Konflikt sagte weiter, er sei müde. Zuvor hatte er in Kiew von einer Auszeit und ein paar Urlaubstagen gesprochen, die er sich habe nehmen wollen.
Auf die Frage, ob er gegen seinen Willen festgehalten worden sei, antwortete Rybkin: "Es ist ziemlich schwierig, mich festzuhalten." Dann setzte er unvermittelt hinzu: "Ich bin überzeugt, dass es auch in Kiew gute Menschen gibt und ich bin ihnen sehr dankbar." Zugleich beklagte er die Willkür, die in der Politik herrsche. "Ich habe in 15 Jahren in der Politik niemals so viel Willkür gesehen oder erlebt."
Rybkin ist einer der sechs Kandidaten, die Putin bei der Präsidentenwahl herausfordern wollen. Nach dem Verschwinden des Putin-Kritikers hatte die russische Justiz zunächst eine Untersuchung wegen vorsätzlichen Mordes eingeleitet und wenig später als unbegründet fallen gelassen.
Rybkin wird von dem im britischen Exil lebenden Milliardär Boris Beresowskj unterstützt. Dieser sagte nach dem Wiederauftauchen des Politikers: Der Vorfall scheine die politische Karriere Rybkins zu beenden. "Ich bin überzeugt - wenn das, was er sagte, stimmt, dann ist er kein Politiker mehr. Seine politische Karriere ist sicherlich beendet."
Die Nachrichtenagentur Interfax hatte Rybkin in Kiew mit den Worten zitiert: Er habe sich entschieden, eine Auszeit von dem ganzen Rummel um seine Person zu nehmen. "Ich habe ein Recht auf zwei oder drei Tage Privatleben. Ich reiste zu meinen Freunden nach Kiew, ging spazieren, stellte mein Mobiltelefon aus und habe kein Fernsehen geschaut." Seiner Frau habe er nichts davon gesagt. "Ich habe meine Jacke gewechselt, mich in einen Zug gesetzt und bin nach Kiew gefahren." Nachdem er in der Zeitung von dem Aufsehen erfahren habe, das sein Verschwinden verursacht habe, habe er sich telefonisch gemeldet, sagte Rybkin.
(apa, red)
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