Montag, 9. Februar 2004

Putins Geheimdienst: Nach Terror für Wiedereinführung der Todesstrafe

  • Rettungsarzt schätzt die Zahl der Toten von Moskauer U-Bahn-Anschlag auf 120
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Als Reaktion auf den Moskauer U-Bahn-Anschlag mit mindestens 39 Toten hat sich die Führung des Inlandsgeheimdienstes FSB für die Wiedereinführung der Todesstrafe in Russland ausgesprochen. Russische Zeitungen bezifferten die Zahl der Toten auf rund 120 - offiziell sind es nur 39. Am Montag wurden die ersten Terroropfer im engsten Familienkreis bestattet.

Die Ermittlungen nach der Bluttat vom Freitag konzentrierten sich weiterhin auf einen Selbstmordanschlag und dessen Hintermänner, sagte Uschakow. Das Attentat gleiche in seiner Ausführung früheren Terrorakten im Nordkaukasus an der Grenze zu Tschetschenien. Hinweise auf eine heiße Spur gab es weiterhin nicht.

Liberale Politiker hatten dem FSB in den vergangenen Tagen Versagen im Kampf gegen den Terror vorgeworfen. Präsident Wladimir Putin war vor seiner politischen Karriere in Moskau FSB-Direktor. Die Todesstrafe ist seit dem stalinistischen Terrorregime ein heikles politisches Thema in Russland. 1998 wurde die Todesstrafe in Russland de facto abgeschafft.

Moskauer Zeitungen zweifelten die offizielle Opferzahl von 39 Toten an und verwiesen auf den überfüllten Waggon und die gewaltige Sprengkraft der Bombe. "Alles wird sich wohl um die Zahl 120 drehen, plus minus 10 oder 20", zitierte die Zeitung "Nowaja Gaseta" einen am Tatort eingesetzten Rettungsmediziner. Überlebende Fahrgäste zeigten sich verwundert über die nach ihrer Ansicht zu niedrige Zahl von 39 Toten.

"Mir schien es, dass es viel mehr waren. Selbst als wir durch den Tunnel gingen, lagen auf den Gleisen Leichenteile. Es waren sehr viele", sagte ein Student, der am Freitag während der Detonation in der U-Bahn saß. Am Montag wurden noch 105 verletzte Fahrgäste in Krankenhäusern behandelt.
(apa/red)

9.2.2004 10:25