Asylant in Traiskirchen gefoltert? "European Homecare" dementiert
- Wilcke: Betrunkener Georgier randalierte wegen zusätzlicher Belegung seines Zimmers
- SPÖ-Posch ist "entsetzt"
·Traiskirchen
"profil": Foltervor- wurf von 'amnesty'
Wurden in Traiskirchen ein Asylant gefoltert? Die Firma "European Homecare", die im Auftrag des Innenministeriums das Flüchtlingslager führt, wehrt sich gegen den Vorwurf von "amnesty international" (ai). Der betroffene Mann, ein Georgier, habe am 5. Februar in alkoholisiertem Zustand Mitarbeiter des Lagers attackiert, als zusätzliche Flüchtlinge in seinem Zimmer untergebracht werden sollten
Das sagte Lagerleiter Eckart Wilcke am Sonntag gegenüber der APA. Und weil er die Mitarbeiter attackiert habe, sei er dann aus der Bundesbetreuung verwiesen worden. "Nichts dran" sei an der Darstellung, dem Georgier seien mit einer Zigarette Brandwunden zugefügt worden.
"Das das angeblich gemacht haben soll, der raucht gar nicht", sagte Wilcke. Und: "Es ist keine Zigarette gesehen worden." Im übrigen könne er die Verletzung schon vorher gehabt haben.
Dass der Georgier, der sich 3. September des Vorjahres in Bundesbetreuung befunden haben, alkoholisiert gewesen sei, sei hingegen im Protokoll der Gendarmerie nachzulesen. Diese sei gerufen worden, nachdem der Mann Mitarbeiter von "European Homecare" und des ebenfalls im Lager tätigen Österreichischen Wachdienstes (ÖWD) attackiert hatte. "Durch unsere Mitarbeiter wurde keinesfalls Gewalt angewendet", betonte Wilcke. Und er verwies darauf, dass die Entlassung des Mannes aus der Bundesbetreuung vor dem Zwischenfall nicht beabsichtigt gewesen sei.
Heinz Patzelt, Generalsekretär von ai-Österreich, erhebt den Vorwurf der Folter in der aktuellen Ausgabe des Nachrichtenmagazins "profil": "Mit einer glühenden Zigarette auf einen Menschen loszugehen gehört zu jenen Foltermethoden, die wir aus weltweiten Berichten kennen. Dass so etwas nun anscheinend in einem österreichischen Flüchtlingslager passiert, ist neu. Ich sehe mich gezwungen, von einem Folterverdacht zu sprechen."
Laut Patzelt gibt der betroffene Mann an, er sei bereits seit längerem von Mitarbeitern des Flüchtlingslagers schikaniert worden. Am Mittwoch vor zwei Wochen sei er aufgefordert worden, das Lager gegen seinen Willen zu verlassen. Zwei Wachdienst-Mitarbeiter hätten ihn gepackt, ihm die Hände auf den Rücken gedreht und die Füße nach hinten verbogen. Patzelt: "Im Rahmen dieses Niederringens wurde ihm unter dem rechten Schlüsselbein eine Brandwunde mit einer Zigarette zugefügt."
SPÖ-Menschenrechtssprecher Walter Posch zeigte sich am Sonntag in einer Aussendung "entsetzt": "So etwas darf in einem österreichischen Flüchtlingslager einfach nicht passieren und darf auch keinesfalls auf die leichte Schulter genommen werden", meinte er. Es stelle sich "immer deutlicher die Frage, ob nach einer Reihe von schwerwiegenden Vorwürfen gegen Mitarbeiter des Flüchtlingslagers Traiskirchen 'European Homecare' überhaupt in der Lage ist, das Flüchtlingslager zu betreuen". Innenminister Ernst Strasser solle gemeinsam mit den Flüchtlingsorganisationen ein Konzept auszuarbeiten, das solche Geschehnisse in Zukunft ausschließt. (apa)
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