Sonntag, 15. Februar 2004

"profil": Holender droht Gemeinde Wien mit Prozess

  • Staatsoperndirektor will Regressforderungen wegen Gluck-Zyklus-Absage geltend machen - wirft Mailath-Pokorny "Ahnungslosigkeit" vor

In einem Interview in der aktuellen Ausgabe des Nachrichtenmagazins "profil" übt Staatsoperndirektor Ioan Holender scharfe Kritik an Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny. Der geplant gewesene Gluck-Zyklus im Theater an der Wien sei geplatzt, "weil Mailath dem Theater noch immer kein Budget zugewiesen hatte", so Holender. "Ich habe der Stadt inzwischen per Rechtsanwalt mitgeteilt, dass ich alle Regressforderungen, die sicher auftauchen werden, der Stadt verrechnen werde. Notfalls auch auf prozessualem Weg."

Erstmals kündigt Holender an, eine der geplant gewesenen Gluck-Inszenierung durch eine Neuinszenierung von Massenets "Manon" mit Anna Netrebko zu ersetzen.

Weiters kritisiert Holender, dass Mailath-Pokorny für das Mozart-Jahr ein Budget in Höhe von 30 Millionen Euro genehmigte, ohne zu wissen, "wofür das Geld verwendet" werde. Holender: "Peter Sellars bekommt zehn Millionen Euro, ohne konkretisieren zu müssen, wofür er sie ausgeben will. Was mit den restlichen 20 Millionen Euro passiert, weiß kein Mensch." Mit seiner Aussage "von der Last des Repertoire-Betriebes" habe Mailath-Pokorny "all die tausend Menschen, die an diesen Häusern arbeiten, diffamiert. Es ist menschenverachtend und zeugt von Ahnungslosigkeit, was Theater betrifft."

Vorwürfe erhebt der Staatsoperndirektor auch gegenüber Roland Geyer, den Intendanten des Theaters an der Wien: Was dort passiere, sei "bar jeder Vernunft", so Holender im "profil"-Interview. "Erklärungsbedürftig" seien vor allem die Fixkosten des Theaters: "Die Staatsoper hat 375 technische Mitarbeiter und 10,9 Millionen Euro Fixkosten. Das Theater an der Wien hat 196 Mitarbeiter und neun Millionen Euro Fixkosten."

Die ganze Story lesen Sie im neuen "profil"!

15.2.2004 08:27