Donnerstag, 12. Februar 2004

FORMAT exklusiv: So wurden die Spendengelder an Grassers Freunde verteilt!

  • Neue Dokumente gefunden
  • "Aufträge" laut internem Papier "ohne schriftliche Vereinbarung" erteilt

Finanzminister Karl-Heinz Grasser kommt weiter unter Druck. In seiner aktuellen Ausgabe zeichnet das Nachrichtenmagazin FORMAT anhand neuer interne Dokumente, erstmals die detaillierten Zahlungsflüsse des Homepage-Vereis nach.

Laut dem FORMAT vorliegenden Vertrag wurden zwischen dem "Verein zur Förderung der New Economy" (Obmann: Grasser-Kabinettschef Matthias Winkler) und der FirstInEx (damaliger Geschäftsführer war Grassers Schulfreund Dieter Jandl) folgende Teilleistungen vereinbart:

  • Teilleistung 1 umfasste die "Erstellung eines Persönlichkeitskonzeptes" und war mit 450.000 Schilling (fast 33.000 Euro) budgetiert. Dieses Konzept hatte Peter Hocheggers Firma martrix bereits vor Vertragsabschluss erstellt. Hochegger ist ein langjähriger guter Bekannter Grassers.

  • Teilleistung 2 war die "Erstellung eines grafischen Vorschlages". Kosten: 110.000 Schilling (rund 8.000 Euro).

  • Teilleistung 3 betraf die "inhaltlich-kreative Beratung" für die Ex-FPÖ-Generalsekretär Walter Meischberger zuständig war. Budgetiert waren dafür 410.000 Schilling (knapp 30.000 Euro). Tatsächlich verrechnet Meischberger 26.000 Euro. Meischberger ist ein Freund Grassers.

  • Teilleistung 4 waren "Dienstleitungen zur Projektkoordination", kalkuliert mit 400.000 Schilling (fast 30.000 Euro). Dieses Geld war für die FirstInEx vorgesehen. Mitglied der Geschäftsführung: Grasser-Freund Dieter Jandl.

  • Die Teilleistungen 5 bis 8 sehen die Anschaffung von Hard- und Software für insgesamt 700.000 Schilling vor.

    Aus einem FORMAT exklusiv vorliegenden Protokoll eines Meetings vom 9. Mai 2001, an dem Meischberger, Hochegger, Winkler und der Projektleiter der FirstInEx teilnahmen, geht hervor dass das Kabinett des Finanzministers stärker in die Erstellung der Homepage involviert war als bisher bekannt. Laut Protokoll kümmerte sich Kabinettschef Mathias Winkler selbst um einen Webmaster und redigierte die Texte, und verhandelte mit FirstInEx-Subunternehmer Walter Meischberger die Höhe dessen Entgelts. Laut Protokoll sollte dafür zwischen FirstInEx und Meischbergers Agentur 1040 keine schriftliche Vereinbarung erstellt werden. Zitat aus dem Protokoll: "Es wurde beim letzten Treffen beschlossen, den Auftrag an 1040 und Peter Schöndorfer ohne schriftliche Vereinbarung zu erteilen."

    Peter Schöndorfer wird in diesem Papier als "Redakteur" für die Texte der Homepage genannt. Im Jahr 2001 war Schöndorfer Leiter des Kärntner Landespressedienstes und textete gleichzeitig die Homepage des Vereins. Dafür kassierte er im Jahr 2001 7.000 Euro. Im Juli 2002 wechselte er als Pressesprecher ins Grasser-Kabinett. Schöndorfer verfasste weiterhin Texte für die Homepage, hat aber dafür laut Angaben von Winkler kein Geld mehr kassiert. Winkler: "Es ist durchaus möglich, dass Schöndorfer an dem einen oder anderen Text gearbeitet hat. Aber nicht in seiner Dienstzeit und nicht in seinem Büro."

    Grasser selbst wirkte an mehreren Fotoshootings für die Homepage mit, außerdem gab es einen von Meischberger organisierten Videodreh im Café Drechsler. Inhaltlich war der Finanzminister mit der Erstellung der Homepage zwar nicht befasst, die Endabnahme der fertigen Seite oblag ihm aber trotzdem - zumindest teilweise, wie Teilnehmer am Projekt bestätigen.

    Die komplette Story lesen Sie im aktuellen FORMAT!

    12.2.2004 13:24