Donnerstag, 12. Februar 2004

Mysteriöse Drohserie in Tirol: Diese Frau hat gestanden!

  • 41-Jährige Mutter auf freiem Fuß angezeigt
  • Motiv: Kinder sollen in der Schule benachteiligt worden sein

Die mysteriöse Drohserie im Tiroler Dorf Umhausen im Ötztal scheint geklärt zu sein. Die Gendarmerie konnte die 41-Jährige Sabine G. als mutmaßliche Täterin ausforschen. Motiv für die Tat soll eine angenommene Benachteiligung ihrer beiden Kinder durch die nicht erfolgte Versetzung eines Schülers aus der Klasse ihrer beiden Kinder sein.

Die zuständigen Ermittler der Gendarmerie zeigten sich davon überzeugt, den Fall geklärt zu haben. Die Frau soll sich von den Gendarmen unter Druck gesetzt gefühlt haben.

Oberst Erwin Mayerl und Chefermittler Johannes Lechner verwiesen in einer Pressekonferenz am Donnerstagnachmittag in Innsbruck darauf, dass die Verdächtige in ihrem Geständnis Details genannt habe, die nur der Täter wissen könne. Von "unter Druck gesetzt" könne keine Rede sein. Die 41-Jährige befinde sich derzeit in stationärer ärztlicher Behandlung. Ein Mittäter wurde ausgeschlossen.

17 Seiten langes Geständnis
Nach dem Erhebungsstand der Gendarmerie hatte die mutmaßliche Täterin den Verdacht bewusst auf sich gelenkt. Dazu zählten die Brandstiftungen und die Attacke mit der Häkelnadel. Sie habe sich im Laufe der Jahre in eine Spirale hineingesteigert, aus der sie nicht mehr herausgekommen sei. Das Geständnis umfasse 17 Seiten. Von einer "Kurzschlusshandlung" wollte Mayerl nicht reden. Vielmehr seien alle Aktionen wohl überlegt worden und bewusst keine Spuren hinterlassen bzw. in andere Richtungen gelenkt worden.

Das Motiv: Nicht-Versetzung eines Buben in der Schule
Auslöser soll die Nicht-Versetzung eines Buben sein, welcher der mutmaßlichen Täterin aus der Kindergartenzeit ihrer beiden - adoptierten - Kinder in Erinnerung gewesen sei. Damals habe dieser Bub ihre Tochter belästigt. Die Frau habe eine Fortsetzung dieser Hänseleien befürchtet. Die Hausdurchsuchung sei ohne konkretes Ergebnis geblieben, sagte Lechner. Laut zuständiger Untersuchungsrichterin bleibe die Verdächtige auf freiem Fuß und werde angezeigt.

Bürgermeister: "Dorfgemeinschaft kann sicher verzeihen ..."
Bürgermeister Jakob Wolf beschrieb die Frau, die in seiner unmittelbaren Nachbarschaft wohne, als sehr kinderfreundlich und unauffällig. Die beiden Kinder und die übrigen Familienangehörigen seien völlig unschuldig in die Sache hineingezogen worden. Die Kinder seien von der verheirateten Hausfrau "sehr gut betreut" worden.

Der Ortschef appellierte an die 3.000 Einwohner seiner Gemeinde, den Prozess abzuwarten und der Familie "ohne Vorbehalte und Hintergedanken" zu begegnen. Der Fall müsse gemeinsam aufgearbeitet werden. Er sei sich sicher, dass die Dorfgemeinschaft verzeihen werde können.

Seit 2001 herrschte Angst in Umhausen
Zuletzt hatte ein Todestermin für 25 Bewohner der Gemeinde am 2. Februar für großes mediales Echo gesorgt. Die Exekutive war davon ausgegangen, dass es sich um einen Einzeltäter mit guter Ortskenntnis handle. Trotz der in Umlauf gebrachten Kondolenzschreiben gab es zunächst keine konkreten Hinweise oder Spuren. Weder Fingerabdrücke noch Überwachungsmöglichkeiten hatten zunächst Erfolg gebracht.

Seit 2001 terrorisierte die Täterin den rund 3.000 Einwohner zählenden Ort mit anonymen Briefen. Im vergangenen August war dann das Schreiben mit dem Vermerk "Todesliste" aufgetaucht. Es enthielt 25 Vornamen. Im Dezember wurden schließlich vier Briefe mit Todesdrohungen entdeckt. Als Datum war der 2. Februar vermerkt.
(apa, red)

12.2.2004 09:37