"Fall Christian": Richter hatte "angemessene Gewalt" angeordnet
- Bericht des Oberlandesgerichtes Linz über Vorgangsweise der Exekutoren liegt vor
·Vorgeschichte
So eskalierte der Streit um Christian
·"Waffe" Kind
Expertin: "Passiert 100.000 Mal!"
Der justizinterne Bericht über das Vorgehen zweier Exekutoren im Sorgerechtsstreit um den achtjährigen Christian aus Großgmain bei Salzburg liegt nun vor. Demnach hat der Richter "angemessene Gewalt" bei der Aktion angeordnet, bei welcher der Bub von seinem Vater getrennt werden sollte. Das brutale Einschreiten der Exekutoren hatte vor zwei Wochen österreichweit für Aufsehen gesorgt.
"Alle Unterlagen mitgerechnet, ist der Bericht vier Zentimeter dick", erklärte der Präsident des Oberlandesgerichtes Linz, Helmut Hubner. Demnach hat der Richter nach mehreren gescheiterten Übergabeversuchen von Christian an die Mutter im Jänner die Anordnung getroffen, dass "der Minderjährige mit der nötigen Schonung, jedoch ohne Berücksichtigung seines Willens gegebenenfalls mit angemessener Gewalt vorzuführen ist". Der erste Gerichtsvollzieher habe vor dem Haus des Vaters eine Viertelstunde auf den Achtjährigen eingeredet und dann den Richter verständigt: "So einfach geht das nicht." Daraufhin wurde ein zweiter Exekutor aufgefordert hinzugehen.
Er habe "dann eh aufgehört, wie sich der Bub so gewehrt hat", sagte dieser laut Hubner aus: "Beide bedauern, was passiert ist. Sie fühlten sich beauftragt und mussten binnen Sekunden selbst interpretieren, wie weit sie gehen konnten. Es gab ständig Telefonkontakt mit dem Richter".
Auf Grund des Berichtes wird nun ein Richtersenat des OLG Innsbruck und eine Disziplinarkommission im Justizministerium das Verhalten von Richter und Exekutoren beurteilen. "Wir werden noch im März eine spezielle Schulung für eine Gruppe von etwa zehn Gerichtsvollziehern beginnen. Auch Frauen sind darunter. Gesprächstechnik und Umgang mit Kindern sollen Hauptinhalte sein", erläutert Hubner in den OÖN. Er hofft, "dass durch den Fall Christian auch die Sensibilität von Eltern für die Probleme der Kinder gestiegen ist".
Zum Eklat war es am 26. Jänner gekommen, als Exekutoren den achtjährigen Christian W. in Großgmain mitnehmen wollten. Vor den Kameras und den Mikrofonen von verständigten Medienvertretern wehrte sich der Bub mit Schlägen und Schreien, ins Auto zu steigen, die Gerichtsvollzieher gingen dabei ziemlich grob zu. Laut Gerichtsbeschluss hat die Mutter des Achtjährigen, die in Schweden lebt, schon seit Jahren das Sorgerecht. Der Bub wollte aber offensichtlich beim Vater bleiben. Nach dem Eklat wurde der Bub ins Spital gebracht. Anfang Februar reiste er dann mit der Mutter nach Schweden.
(apa, red)
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