Freitag, 6. Februar 2004

Diesel im Zwielicht: Ist der Selbstzünder bald am Ende?

  • Dieselabgase enthalten mehr Rußpartikel und Stickoxide
  • PLUS: Stimmen Sie ab - Soll Dieseltreibstoff verboten werden?

Wissenschaftler schlagen Alarm: Immer öfter weisen Studien auf die hohe Gesundheitsbelastung durch Dieselabgase hin. Diesel-Fahren ist so schädlich wie Rauchen. Folge: Die Dieselpreise explodieren – und 1,7 Millionen Österreicher müssen ihre Autos nachrüsten. Ist der Dieselmotor bald am Ende?

Seit Anfang Februar hat der österreichische Volkswagen-Importeur Porsche Austria ein Spezialangebot für Dieselfreunde: Den Passat 2.0 TDI mit 136 PS gibt es jetzt als "Umwelt-Sondermodell" mit so genanntem Partikelfilter. Dieses bei Autokäufern noch recht unbekannte Extra reduziert den Ausstoß von Rußpartikeln und ähnlichen umweltbelastenden Feinstaub-Emissionen durch Dieselaggregate um neunzig Prozent. Das Timing passt: Bisher galten die boomenden Selbstzünder wegen ihres niedrigeren Treibstoffverbrauchs und des dadurch bedingten geringeren Ausstoßes von schädlichem Kohlendioxid als besonders umweltfreundlich.

Doch jetzt stellen sie sich zunehmend als echte Umweltbomben heraus: Laut einer druckfrischen Studie des VCÖ (Verkehrsclub Österreich) sind die Abgase von Dieselmotoren deutlich giftiger als die von Benzinern. Sie enthalten tausendmal mehr Rußpartikel und dreimal so viel Stickoxide.

VCÖ-Verkehrsexperte Wolfgang Rauh beschreibt die dramatischen Folgen einer simplen Autofahrt: "Bei Stau ist die Staubbelastung im Wageninneren vergleichbar mit jener in einem stark verrauchten Lokal. Wer Kinder im Auto mitnimmt, setzt ihre Gesundheit aufs Spiel."

Deshalb werden in der österreichischen Bundesregierung und auf EU-Ebene bereits einschneidende Maßnahmen gegen die Luftverschmutzung durch Diesel überlegt. Die steuerliche Begünstigung wackelt. Umweltminister Josef Pröll denkt über einen verpflichtenden Einbau von teuren Partikelfiltern nach. Und die EU gibt ab 2008 Emissionsgrenzwerte vor, bei denen die derzeitigen Dieselaggregate nicht mehr mitkönnen.

Bernd Pischetsrieder, Chef des Volkswagenkonzerns, sieht bereits das Ende des Dieselmotors kommen: Selbstzünder würden durch die neuen technischen Erfordernisse um rund 2.000 Euro teurer und wären somit für Konsumenten bald nicht mehr erschwinglich. Pischetsrieder: "Am Ende werden nur noch schwere Limousinen mit Dieselmotoren ausgestattet."

Ins Visier genommen hat den Diesel auch schon das Österreichische Umweltbundesamt. Dessen Verkehrsspezialist Günther Lichtblau verweist auf die rapid steigenden Grenzwertüberschreitungen an den Luftgütemessstellen und räumt mit dem Öko-Image des Diesels gründlich auf: "Die Feinstaubbelastung durch den Dieselboom macht es zunehmend unmöglich, die von der EU vorgegebenen Emissionsgrenzwerte zu erfüllen." (FORMAT/Red.)

6.2.2004 10:00