Sonntag, 8. Februar 2004

Umweltschutz: Autofreier Sonntag beruhigt italienische Städte

  • Bevölkerung war zu Fuß unterwegs oder stieg auf Fahrrad und Inlineskates um
  • Schadstoff-Werte in Rom deutlich gesunken

Autofreier Sonntag in mehreren italienischen Städten: Millionen von Italienern waren am Sonntag in den Innenstädte zu Fuß, mit dem Fahrrad oder auf Inlineskates unterwegs. Wegen der Besorgnis erregenden Luftverschmutzung wurden in Rom, Mailand, Verona, Padua und rund 135 lombardischen Ortschaften die Autos und Mopeds aus den Zentren verbannt.

Wo ansonsten der Moloch Verkehr regiert, herrschte am Sonntag himmlische Ruhe und gute Laune. Am Tiber in Rom trabten Jogger, in anderen Städten gab es Straßenkonzerte. Trotz empfindlicher Kühle machten Fahrradverleiher fast überall dicke Umsätze. Bereits im vergangenen Jahr war die Aktion ein voller Erfolg. Umfragen des Umweltministeriums sprechen davon, 85 Prozent der Italiener seien bereit, jeden Sonntag auf ihr Auto zu verzichten.

Die Aktion bescherte sofort beträchtliche Resultate. Nach Angaben der Stadtverwaltung Rom fiel die Belastung durch Schadstoffe am Sonntagnachmittag um die Hälfte im Vergleich zu den vergangen Tagen. Auch der Regen, der in der Nacht auf Sonntag gefallen war, verhalf zur Entlastung der Lage in der Ewigen Stadt.

Politiker in Rom kritisierten, Fahrverbote seien zwar "medienwirksam", würden aber die Luftverschmutzung in Wirklichkeit kaum vermindern. Die Opposition forderte die Regierung auf, die Misere grundsätzlich anzugehen und einen einheitlichen Plan zu verfassen, der etwa den großzügigen Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs vorsehe. Der Präsident der Lombardei, Roberto Formigoni, rief die Industrie auf, "saubere Autos" zu bauen.

In den kommenden Tagen könnten neuerlich Fahrverbote verhängt werden, falls sich die Situation nicht bessert. In den vergangenen Jahren hatte es in Italiens Großstädten wiederholt autofreie Sonntage gegeben, die großen Anklang unter der vom Verkehrschaos geplagten Bevölkerung fanden. (apa)

8.2.2004 11:10