Mittwoch, 4. Februar 2004

Holender in NEWS zu Theater an der Wien: "Sinnlos"

  • Rieder: "Schon jetzt für 2007 sparen"
  • Die Pläne für Oper und Musical

Staatsoperndirektor Ioan Holender hält die Opernbespielung des Theaters an der Wien ab 2007 in ihrer derzeit vorgesehenen Form für sinnlos. Das berichtet NEWS in seiner aktuellen Ausgabe. Holender: "Ich halte es für sinnlos, dass ein Theater die Hälfte der Zeit nicht spielt. An ein solches Theater wird sich das Publikum nicht gewöhnen. Die Umwidmung ist richtig, die Umsetzung verwunderlich."

Hintergrund der Holender'schen Skepsis sind die in NEWS veröffentlichten Pläne für die Opernnutzung des Theaters an der Wien: Das Haus wird an 120 Abenden im Jahr bespielt. In diese Zahl sind bereits mehrere Konzertzyklen eingerechnet. Zwischen 20. August und 15. September wird - so Intendant Roland Geyer zu NEWS - geschlossen, Anfang Mai bis Mitte Juni bespielen die Festwochen das Haus.

Auf NEWS-Nachfrage erklärt Holender: "Die Opern von München und Paris haben kleine Häuser dazu. Das Theater an der Wien der Staatsoper anzugliedern, wäre das Vernünftigste. Ich habe ein Konzept ausgearbeitet und wäre mit 8 Millionen ausgekommen. Jetzt gibt es ein Vielfaches, aber es reicht nicht."

Wiens Vizebürgermeister und Finanzstadtrat Sepp Rieder erklärt in NEWS, er habe Kulturstadtrat Mailath-Pokorny "gesagt, er soll schon jetzt für 2007 Rücklagen bilden und beim Kulturbudget sparen. Denn 2007 wird mit Sicherheit mehr Geld nötig sein, als zur Verfügung steht. Es wird aber nicht mehr geben." Laut Rieder wollten die Intendanten Geyer (Oper) und Zechner (Musical) mindestens 50 Millionen Euro für die Bespielung von Raimund Theater, Ronacher und Theater an der Wien. Es stünden aber, so Rieder, realistischerweise nur 40 Millionen zur Verfügung. In denen gehen auch die Budgets der Festspiele "Osterklang" und "Klangbogen" auf.

Geyers Programm
Geyer versichert in NEWS, das Geld reiche für ein attraktives Programm. Er will neun Premieren im Jahr (unter ihnen Wiederaufnahmen) herausbringen und prinzipiell mit Partnerhäusern koproduzieren. Vier Opernproduktionen sollen von den Symphonikern bestritten werden.

Das Programm ist durch die Größe des Orchestergrabens (nicht mehr als 70 Musiker) vorgegeben: Barockopern (aus den Reihen der Symphoniker soll ein Spezialistenensemble formiert werden), Mozart, Raritäten bis 1950 und Werke der unmittelbaren Gegenwart wie Jake Heggies "Dead Man Walking".

Mit Riccardo Muti - so Geyer in NEWS - sei man auf einem guten Weg wegen einer Staatsopern-Koproduktion für 2007/08.

Bezüglich der Einbindung der Wiener Symphoniker in das Theater an der Wien und möglicher Reduktion der Tätigkeit des Orchesters in den Wiener Konzertsälen sieht Geyer keine Probleme: "Das Orchester ist groß genug, um damit auch sämtliche Konzertaktivitäten in Musikverein und Konzerthaus neu zu strukturieren. Es gibt außerdem Gespräche mit Musikverein und Konzerthaus, um sich mit den Opernverpflichtungen des Orchesters zu koordinieren."

Zechners Programm
Auch Musical-Intendantin Kathrin Zechner gibt in NEWS Grundzüge ihrer Planung bekannt. Zechner setzt auf ein eigenständiges Programm, das (wie bisher) Musicals entwickelt und exportiert und dabei auch heimisches Potenzial nutzt und fördert: "Es gab ja auch schon die Diskussion, das Programm auf null zu fahren und nur noch Gastspiele zu machen. Davon habe ich dringend abgeraten. Es birgt die Gefahr, von ausländischen Konzernen übernommen zu werden und als reines
,Outlet’ lamgfristig zu verkommen, was langfristig die Szene ausdünnt bzw. auslöscht."

Im Ronacher (Umbaukosten laut Rieder: 35 bis 45 Mio., Eröffnung Herbst 2006) soll pro Jahr ein international verwertbares Hauptstück aus dem Musical-Genre - "intelligente, mehrheitsfähige Unterhaltung" (Zechner) nach Art von "Shockheaded Peter", Lubisch oder Billy Wilder herauskommen. Dazu je eine gescheite, humoristische Weihnachtsproduktion, ein Sommerstück, für das Österreicher wie Peter Wolf, Hubert von Goisern, Marque, Muthspiel oder Kruder/Dorfmeister angesprochen werden sollen, und eine "Dinner Soap" an einem Nebenschauplatz.

Im Raimund Theater sollen familientaugliche, international verwertbare Produktionen (auch Koproduktionen) entstehen und mit 280 bis 300 Vorstellungen im Jahr durchgespielt werden.

Die ganze Geschichte lesen Sie im aktuellen NEWS!

4.2.2004 12:19