Donnerstag, 5. Februar 2004

Boca Raton: G-7 entscheidet über Euro-Kurse

  • Hoher Wechselkurs wird als schädlich für Welt-Wirtschaft empfunden

Die Finanzminister und Notenbankchefs der G-7 treffen heute in Boca Raton im US-Staat Florida zu einer an den Devisen- und Kapitalmärkten mit großer Spannung erwarteten turnusmäßigen Sitzung zusammen. Nach dem rasanten und kräftigen Kursanstieg des Euro bis auf ein vorübergehendes Rekord-Hoch von knapp 1,29 Dollar im Jänner wird die Wechselkursentwicklung neben der aktuellen Konjunkturlage in der Welt bei dem Treffen eine bestimmende Rolle spielen.

Deutsche Industrie fürchtet neuen Euro-Schub nach G-7-Treffen

Utl.: Hoffen auf Signal für mehr Stabilität =
Die Minister und Notenbankchefs der sieben wichtigsten Industrieländer (G-7) sollten sich auf eine gemeinsame Formulierung einigen, die das Euro-Dollar-Kursverhältnis bei einem Niveau von 1,10 bis 1,20 Dollar stabilisiere. Am Donnerstagmittag notierte der Euro bei etwas unter 1,26 Dollar.

Noch ist offen, ob sich die USA und ihre Partnerländer in Europa und in Japan angesichts unterschiedlicher Interessen auf eine gemeinsame Formulierung zur jüngsten Wechselkursentwicklung einigen können, die ein Signal an die Märkte über die Wechselkurspolitik wäre.

"Wir wollen alle gemeinsam, dass sich der Dollar wieder auf ein stabiles, für die Weltwirtschaft und ihre Entwicklung vernünftiges Niveau begibt", sagte Rogowski. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) sehe dieses Niveau "irgendwo zwischen 1,10 Dollar bis 1,20 Dollar" zum Euro. Nach seinem Dafürhalten sollte es näher bei 1,10 Dollar liegen, doch auch 1,20 Dollar wäre kein Beinbruch. "Wenn die G-7 das machen, dann wird das schon etwas zur Marktentwicklung beitragen", sagte der BDI-Chef.

"Wenn die G-7 aber rauskommen, und der eine schreit Hüh und der andere Hott, vor allem die Europäer anders als die Amerikaner, dann könnte ich mir vorstellen, dass der Dollar ganz schnell noch einmal einen Schub in Richtung 1,40 bekommt", warnte Rogowski. Damit bezog er sich auf die anhaltenden Meinungsverschiedenheiten zu diesem Thema zwischen den USA und den meisten ihrer G-7-Partner.

Analysten rechnen mehrheitlich damit, dass das G-7-Treffen keine Neuigkeiten bringen wird, die zu einer Stärkung des Dollars beitragen. Vielmehr werde die US-Währung wohl weiter gegenüber dem Euro fallen. Ein echter Konsens sei angesichts der widerstreitenden Interessen unwahrscheinlich, allenfalls sei eine "schwammige Erklärung" von dem Treffen zu erwarten, erklärten Marktexperten.

Der deutsche Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) und andere europäische Politiker hatten bereits für ein Signal der G-7 plädiert, dass ein weitere massiver Kursanstieg des Euros gegenüber dem Dollar nicht hingenommen werde. Während die Europäer auf eine solche Erklärung drängen, haben in den vergangenen Tagen führende Vertreter der US-Regierung wiederholt davor gewarnt, das Wechselkursthema zu sehr in den Vordergrund zu rücken.
(apa, red)

5.2.2004 16:33