EU-Insolvenzen: Österreich schlechter als Europa-Schnitt
- Österreich mit 247 Pleiten pro 10.000 Unternehmen an drittletzter Stelle
Während die Zahl der Unternehmenspleiten in Europa auf Grund der immer noch lahmen Konjunktur 2003 weiter um 3,9 Prozent auf 157.138 Insolvenzen gestiegen ist, war die Steigerungsrate in Österreich sogar noch höher als der EU-Schnitt. In der Alpenrepublik mussten im Vorjahr 5.564 Unternehmen den Gang zum Insolvenzrichter antreten, was einem Zuwachs um 5,4 Prozent entspricht.
Bei Betrachtung der relativen Insolvenzbetroffenheit (Insolvenzfälle pro 10.000 existierender Unternehmen) belegt Spanien den positiven Spitzenplatz, dort sind lediglich zwei von 10.000 Betrieben 2003 pleite gegangen. In Griechenland waren es sechs, in Irland 33.
Am meisten Insolvenzen pro 10.000 Unternehmen verzeichnet Luxemburg mit 321 Betrieben, gefolgt von Schweden mit 299 Unternehmenskonkursen. Österreich liegt mit 247 Insolvenzen bei 10.000 Unternehmen an drittletzter Stelle der Aufstellung.
Das Zahlungsverhalten in Westeuropa hat sich laut Creditreform nicht wesentlich verbessert, trotz der Bemühungen der EU, die die "Zahlungsverzugsrichtlinie" im August 2000 verabschiedete. Am längsten warten Betriebe in Italien auf ihr Geld: Insgesamt 85 Tage dauert es hier, bis die Forderungssumme auf dem Empfängerkonto eingegangen ist. Am schnellsten geht es in der Schweiz und in Österreich. In der Schweiz begleichen Betriebe nach 38 Tagen ihre Rechnung, knapp gefolgt von Österreich in 39 Tagen.
Den größten Zuwachs an Unternehmensinsolvenzen meldete Portugal, wo die Zahl um 42,4 Prozent auf insgesamt 2.980 betroffene Firmen stieg. Platz zwei des "Negativ-Rankings" belegt Norwegen. Um 18,3 Prozent auf 3.080 Insolvenzen stiegen hier die Unternehmenspleiten. Auch die Schweiz verzeichnete einen Insolvenzanstieg im zweistelligen Bereich: 13,4 Prozent mehr Konkurse als noch in 2002 und insgesamt 4.539 Firmeninsolvenzen hatte das Land zu verkraften.
Irland hingegen konnte ihre Unternehmensinsolvenzen um 16,6 Prozent auf 316 Fälle reduzieren. Auch Spanien und Großbritannien weisen einen deutlichen Rückgang der Unternehmenskonkurse auf.
Erstmals flossen in die Untersuchungen der Creditreform auch die Insolvenzsituation in den EU-Beitrittsländern ein. In den meisten osteuropäischen Ländern existiert laut Creditreform noch kein funktionierendes Insolvenzrecht mit entsprechenden Gerichten und der Praxiserfahrung, dennoch sei auch hier ein Trend zu verzeichnen: Binnen Jahresfrist nahmen die Insolvenzen in den sieben untersuchten Ländern Polen, Tschechien, Litauen, Ungarn, Slowakei, Lettland und Slowenien um 3,0 Prozent zu. Gab es 2002 exakt 20.851 Unternehmenszusammenbrüche, liegt die Zahl für 2003 bei 21.478 Fällen.
Rückgänge verzeichnen die hingegen Länder Litauen (minus 26,2 Prozent) und Polen (minus 13,1 Prozent). Zugenommen haben die Zahlen hingegen insbesondere in Ungarn (plus 23,7 Prozent) und Slowenien (plus 10,4 Prozent). Bei der relativen Insolvenzbetroffenheit (Insolvenzen pro 10.000 Unternehmen) zeigen sich auch in Osteuropa starke Unterschiede: In Slowenien gehen 243 Unternehmen in Konkurs, während es in Polen nur drei sind.
(apa, red)
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