Mittwoch, 4. Februar 2004

Verbund-Tochter APC: Tiwag soll beste Chancen für Übernahme haben

  • Konkurrenten: RWE, EdF, Salzburg AG und Versorger aus Slowenien und Russland
  • Offerte bis kommende Woche

Nach der Salzburg AG wird nun auch der Tiroler Landesversorger Tiwag als Kandidat für die Übernahme des 55-Prozent-Anteils der Verbundgesellschaft an der Stromvertriebsgesellschaft APC genannt - und die Tiwag soll der heißeste Favorit sein. Mit dem APC-Verkauf würde die "Österreichische Stromlösung" (ÖSL) von Verbund und EnergieAllianz-Partnern die EU-Auflage zur Abgabe eines Großkundenvolumens von 3 TWh erfüllen.

Neben der Tiwag buhlen noch andere Versorger um die APC. Unter den Bietern finden sich vorwiegend Versorger aus dem Ausland, etwa aus Slowenien und Russland, heißt es in dem Bericht weiter. Ins Spiel gebracht haben soll sich zuletzt auch der heimische Grünstromanbieter Ökostrom. Allerdings habe die Tiwag die besten Chancen, es sei von Geheimverhandlungen zwischen dem Verbund und den Tirolern die Rede.

Bis nächste Woche sollen die APC-Interessenten verbindliche Offerte abgeben müssen, heißt es. Als Fixstarter für ein Offert gelten laut "WirtschaftsBlatt" vom Dienstag auch die schon an der Kärntner Kelag beteiligte deutsche RWE und die französische EdF, die an der steirischen EStAG - dem APC-Minderheitseigentümer (35 Prozent) - zusammen mit der Gaz de France eine Sperrminorität von 25 Prozent plus einer Aktie hält

Die EU hat wie berichtet eine Zustimmung zur ÖSL daran geknüpft, dass die Protagonisten durch die Abgabe eines Teils des Großkundenvolumens Platz für einen weiteren potenten Mitbewerber machen. Dies soll den Wettbewerb in Österreich sicherstellen. Die Frist für die Erfüllung der Auflage hatte die EU um vier Monate bis Mitte April 2004 verlängert.

Dritter Gesellschafter der Austrian Power VertriebsgesmbH. (APC) ist neben Verbund und EStAG noch die Salzburg AG mit 10 Prozent. Die Steirer haben ein Vorkaufsrecht auf die Verbund-Anteile an der APC. Brüssel akzeptiert jedoch die EStAG als Käufer nicht, weil letztere mit dem Verbund über eine Wasserkraftehe verbunden sind. Die Steirer haben also die Möglichkeit, zum selben Preis wie der Bestbieter die Verbund-Anteile an der APC zu kaufen.

Starten könnte die ÖSL nach dem APC-Verkauf durch den Verbund im Sommer 2004. Bisher waren Verkaufsversuche gescheitert, womit der 1. Jänner 2004 als ursprünglicher Starttermin für die Austro-Stromehe nicht gehalten werden konnte. Jeder Tag Aufschub kostet die ÖSL-Partner laut "Presse" 220.000 Euro an Synergien.

Zuversichtlich zur Erfüllung der Auflage hatte sich der Verbund wiederholt geäußert. Sollte der Verkauf der APC wider Erwarten nicht gelingen, werde man mit den EnergieAllianz-Partnern (EVN, Wien Energie, Energie AG Oberösterreich, Linz AG und Bewag) einen alternativen Weg erörtern, wie man die ÖSL mit einem Gesamtenergiepotenzial von jährlich 80 Mio. Euro (für beide Seiten je 40 Mio. Euro) umsetzen könne, hatte der Verbund kurz vor Weihnachten erklärt. Am Verkauf der APC wird die Stromlösung nicht scheitern", sagte Verbund-Chef Hans Haider vorvergangene Woche in einem "Presse"-Interview.
(apa, red)

4.2.2004 09:22