Dienstag, 3. Februar 2004

312.448 ohne Arbeit: Weniger Jobs und weniger Job-Angebote

  • Wirtschaftsministerium gibt offizielle Arbeitsmarktdaten für Jänner bekannt
  • Akademikerarbeitslosigkeit stieg überdurchschnittlich

Rückläufige Beschäftigung und ein schrumpfender Stellenmarkt drücken zusätzlich kräftig auf den ohnehin schon angespannten Arbeitsmarkt. Das Arbeitsmarktservice (AMS) hat die offiziellen Arbeitsmarktdaten veröffentlicht. Das Ergebnis: Ein trauriger Negativ-Rekord. Demnach erreichte die Zahl der Jobsuchenden im Jänner tatsächlich wie schon zuvor befürchtet den Rekordwert von 312.448 Arbeitslosen.

Das entspricht einem Zuwachs gegenüber dem Vorjahr von 2,9 Prozent oder 8.772 Betroffenen. Gegenüber Dezember nahm die Arbeitslosigkeit um 5,2 Prozent oder um 15.537 Personen zu.

Schulungen senken Statistik
Nicht enthalten in der offiziellen Statistik sind 39.335 Arbeitssuchende in Schulung, rechnet man diese Personen dazu, erhöht sich die Zahl der Jobsuchenden auf 351.783 Betroffene. Die Arbeitslosenquote betrug im Jänner nach nationaler Berechnung 9,1 Prozent gegenüber 8,9 Prozent im Vorjahr und 8,7 Prozent im Jänner 2003.

Die Beschäftigung nahm im Jänner im Jahresvergleich nach offiziellen Zahlen geringfügig um 0,08 Prozent oder um 2.329 auf 3,107.274 unselbstständig Beschäftigte - scheinbar - zu.

Rechnet man allerdings die Karenzgeldbezieher und Präsenzdiener aus der offiziellen Statistik heraus, nahm die Beschäftigung im Jahresvergleich um mehr als 4.500 Beschäftigte ab.

Gegenüber dem Vormonat ging die Beschäftigung um 0,77 Prozent oder um 24.051 Betroffene zurück.

Weniger offene Stellen
Weiter geschrumpft ist im Jänner auch der Stellenmarkt. Ende Jänner waren beim AMS 19.301 offene Stellen gemeldet, das waren um 7,2 Prozent oder um 1.502 weniger als vor einem Jahr.

Akademiker überdurchschnittlich betroffen
Nach Ausbildung gab es im Jänner wieder eine deutlichen Anstieg der Akademiker-Arbeitslosigkeit. Die Zahl der jobsuchenden Uni-Absolventen nahm um 15,5 Prozent auf 8.978 Betroffene zu.

Öllinger deckt Statistik-Tricks auf
Nach offiziellen Zahlen waren Ende Jänner 2004 312.448 Arbeitslose gemeldet. Dazu kommen aber, so Grün-Experte Öllinger, noch rund 30.000 Personen in Schulung, die in der offiziellen Statistik nicht aufscheinen; und rund 29.000 Personen mit einem Pensionsvorschuss. Die "erweiterte Arbeitslosenrate" würde demnach auf 10,7 Prozent steigen.

Einen Pensionsvorschuss erhalten Personen, die auf Empfehlung des Arbeitsmarktservice (AMS) einen Pensionsantrag stellen. Diese Anträge, so Öllinger, werden aber zu etwa 80 Prozent von den Pensionsversicherungen abgelehnt, die Betroffenen fallen wieder in die Arbeitslosigkeit zurück. Das AMS profitiere von diesen Anträgen doppelt, so Öllinger. Zum einen scheinen die Pensionsvorschuss-Bezieher nicht in der Arbeitslosenstatistik auf, zum anderen ist der Pensionsvorschuss um 20 Prozent niedriger als das Arbeitslosengeld. Die Differenz werde nach Ablehnung des Pensionsantrages nicht nachbezahlt.

Zu den rund 370.000 Jobsuchenden im Jänner werden laut Öllinger noch "einige tausend" dazukommen. Zu addieren seien nämlich auch Personen, die während ihrer Arbeitslosigkeit krank gemeldet waren und jene, denen das Arbeitslosengeld vorübergehen gesperrt wurde.
(apa/red.)

3.2.2004 12:08