Montag, 2. Februar 2004

bauMax: Heimwerker-Kette plant Börsenrückzug

  • Angebot von 16,58 Euro pro Aktie liegt 8,4 Prozent über dem Schlusskurs
  • Finanzmarkt-Aufsicht untersucht die Kursbewegungen

Die niederösterreichische Heimwerkerkette bauMax zieht sich im Sommer von der Wiener Börse zurück. Die Hauptaktionärsgruppe, die Familie des Klosterneuburger Kunstsammlers Karlheinz Essl, hat am Montag über die bauMax Anteilsverwaltungs AG ein freiwilliges Übernahmeangebot für die 6,2 Prozent noch im Streubesitz befindlichen Vorzugsaktien gelegt, das sich auf 16,58 Euro pro Anteilsschein beläuft.

Begründet wurde der Börserückzug am Montag von Seniorchef Karlheinz Essl mit den für den geringen Streubesitz hohen Kosten einer weiteren Notierung und der geringen Liquidtät der Aktie. Die Finanzmarktaufsicht (FMA) untersucht Kursbewegungen der bauMax-Aktie, die in den Tagen vor dem Übernahmeoffert stattgefunden haben.

Die Angebotsfrist an die Minderheitsaktionäre läuft bis Mitte April, bei der Hauptversammlung der bauMax AG am 23. Juni soll die Abspaltung des verbleibenden Streubesitzes und das Delisting von der Wiener Börse formell beschlossen werden. Eine Nachbesserung des Angebots oder eine Verlängerung der Angebotsfrist wurde heute von Essl ausgeschlossen.

Kritik von Anleger-Schützern
Harsche Kritik an der Ankündigung von bauMax kam vom Wiener Anlegerschützer Wilhelm Rasinger (Interessensverband für Anleger/IVA). "Jahrelang durften die Kleinaktionäre die schlechten Margen im Inland mittragen. Ausgerechnet jetzt, wo es die Chance gibt, an den Perspektiven in Osteuropa teil zu nehmen, zeigt man dem treuen Aktionär die rote Karte", erklärte Rasinger.

Aus dem Börsengang habe die Familie Essl seinerzeit 900 Mio. Schilling erlöst, mehr als 65 Mio. Euro. Dieses Geld sei aber "nicht ins Unternehmen, sondern in die Privatkasse geflossen", kritisierte Rasinger. Dass die Vorzugsaktien, die 1990 zum Stückpreis von 450 S (32,70 Euro) ausgegeben wurden, nun mit 16,58 Euro weit unter dem damaligen Ausgabepreis zurück gekauft werden sollen, ist nach den Worten des IVA-Präsidenten "sehr, sehr unfair".

Das Offert sei freiwillig erfolgt und im Übrigen "sehr vernünftig", konterte Essl. Schließlich liege es um 50 Prozent über dem langjährigen Durchschnittskurs der Jahre 2002/03. Die Expansionspläne in Osteuropa, die wenigstens kurzfristig die Gewinnsituation eher belasten würden, seien in den Angebotspreis bereits eingerechnet. Ein von Journalisten vermuteter Einstieg eines (ausländischen) Partners in die bauMax AG sei "dezidiert nicht" Hintergrund der Entscheidung.

"Wir waren nicht zufrieden damit, wie sich die bauMax-Aktie entwickelt und wie uns die Börse gesehen hat", begründete Essl. Die Aktie habe eine geringe Liquidität gehabt, dazu kämen die Kosten für die Börsepräsenz. "Es hat keinen Sinn, mit einem so geringen Streubesitz weiter an der Börse vertreten zu sein." Die Haupteigentümer der Baumarktkette hätten um den Jahreswechsel von einem institutionellen Investor ein weiteres 5-Prozent-Paket zurückerworben, was den Streubesitz zuletzt auf unter 10 Prozent gedrückt hat. Danach sei es "ein logischer Schritt gewesen, das Delisting vorzunehmen".

Der Angebotspreis, in dem auch eine Dividende von 58 Cent für das abgelaufene Geschäftsjahr 2003 enthalten ist, liegt um 8,4 Prozent über dem Schlusskurs vom vergangenen Freitag (15,30 Euro). Rechnet man die Dividende heraus, liegt das Angebot um 4,6 Prozent über dem zuletzt ermittelten Börsenkurs.

Im Vorfeld der Entscheidung für das Offert war die Aktie freilich nachrichtenlos von etwa 13 Euro Mitte Jänner nach oben geschossen. Am vergangenen Donnerstag war das Papier bei vergleichsweise hohem Umsatz um mehr als 7 Prozent gestiegen. Am Montag gegen 16 Uhr hat der Wert schließlich mit 16,70 Euro bereits beinahe das Niveau der Übernahmeangebots erreicht.

Finanzmarkt-Aufsicht prüft
Eine Untersuchung der Finanzmarktaufsicht laufe, sagte ein Sprecher der Aufsichtsbehörde auf APA-Anfrage. Derlei Untersuchungen würden automatisch nach jeder außergewöhnlichen Kursbewegung bzw. nach jeder Ad-hoc-Mitteilung eingeleitet.
(apa)

2.2.2004 09:47