Sonntag, 8. Februar 2004

1. Saisonsieg: Schönfelder triumphierte im Adelboden-Slalom vor Miller

  • Raich nach Platz drei im Adelboden-Slalom wieder Weltcup-Spitzenreiter
  • PLUS: Alle Infos zum Ski-Weltcup 2003/04!

Der Kärntner Rainer Schönfelder hat am Sonntag den Slalom in Adelboden gewonnen. Der 26-Jährige setzte sich 19/100 vor US-Star Bode Miller durch und feierte seinen bereits fünften Weltcupsieg, den ersten seit 8. März 2003, als er ex aequo mit dem Finnen Kalle Palander in Shigakogen triumphiert hatte. Dritter wurde der Tiroler Benjamin Raich (+0,50 Sek.), der damit Hermann Maier die Weltcup-Führung abjagte und nun 31 Punkte Vorsprung auf den Salzburger hat.

Mit Mario Matt, der sein bestes Resultat im Weltcup seit seinem Comeback nach zwei Schulteroperationen im Jahr 2002 erreichte, als Viertem (+0,90) landete noch ein weiterer ÖSV-Läufer im Spitzenfeld. Halbzeit-Leader Manfred Pranger, der die Konkurrenz im ersten Durchgang um 0,76 Sekunden und mehr deklassiert hatte, schied dagegen nach toller Zwischenbestzeit - exakt eine Sekunde vor Schönfelder - aus.

Tanzeinlage von Schönfelder
Während sich "Schöni" im Zielraum nach einem Lambada-Tänzchen vor Freude auf dem Boden wälzte, warf sich der Tiroler vor lauter Frust, es auch im 30. Anlauf nicht geschafft zu haben, endlich den lang ersehnten Slalom-Weltcupsieg zu realisieren, im Steilhang in den nasskalten Schnee. "Ich habe zu viel riskiert. Ich habe gemerkt, dass ich super drauf stehe und bin dann übermütig geworden", erklärte Pranger. "Es dauert eben noch. Ich brauche nur Geduld, denn irgendwann werde ich sicher meinen ersten Slalomsieg im Weltcup feiern."

"Für den Manfred tut's mir Leid"
Des einen Leid, des anderen Freud. "Das ist ein Traum, hier als erster Österreicher einen Weltcup-Slalom gewonnen zu haben. Ich bin wahnsinnig glücklich, dass es nach den konstant guten Leistungen in dieser Saison nun auch mit dem Sieg geklappt hat, denn ich habe hart gearbeitet, um wieder auf die Siegerstraße zurückzukehren", frohlockte Schönfelder, der bei der Siegerehrung das bekannte Kinderlied aus der Trickfilmserie "Heidi" anstimmte. "Ich kann meine Emotionen gar nicht beschreiben, die sind über dem Limit. Ich kann vor lauter Freude nur noch lachen. Nur für den Manfred tut's mir Leid!"

Schöni führt im Slalom-Weltcup
Als Erfolgsgeheimnis nannte der Bleiburger, endlich die richtige Mischung aus Konstanz und Risiko gefunden zu haben. "Denn es kann nur der gewinnen, der auch bereit ist zu verlieren." Auf Grund der schlechten Sicht war Schönfelder diesmal aber nicht so locker wie gewohnt ins Finale gegangen. "Ich war angespannter als zuvor", gestand der "Petzenbär", dem nach Halbzeitrang drei die dritte Laufzeit im zweiten Durchgang reichte, um zu siegen und Raich um 13 Zähler als Spitzenreiter der Slalom-Wertung zu verdrängen.

Raich trauert um verpassten Sieg
Nicht zuletzt deshalb war Raich, der sich im ersten Lauf eine Platzwunde am Mittelfinger der rechten Hand ("Das ist aber kein Problem") zugezogen hatte, mit Platz drei und neuerlichen Gesamtführung nur "an sich zufrieden". "Auch wenn ich nach meinem Sturz in Garmisch seit Schladming nicht mehr auf Slalom-Skiern gestanden bin, es wären heute 40 Punkte mehr für mich drinnen gewesen", trauerte der Pitztaler dem um eine halbe Sekunde verpassten Sieg nach. "Im ersten Lauf habe ich schon oben gemerkt, dass ich nicht locker war, und auch im zweiten ist es nicht nach Wunsch gelaufen. Mir hat einfach die Sicherheit gefehlt."

Mario Matt ist wieder da
Matt, der die Saison nur mit Nummer 42 begonnen hatte, sprach ebenfalls von einem vergebenen Sieg. "Ich habe in jedem Durchgang einen schweren Fehler gehabt, der im ersten hat mich mindestens eine Sekunde gekostet", betonte der Weltmeister von St. Anton 2001, um doch noch versöhnliche Worte zu finden. "Aber wenigstens habe ich jetzt die Gewissheit, dass ich wieder um den Sieg mitfahren kann. Außerdem habe ich die erste Gruppe fürs nächste Jahr abgesichert und damit bereits alles erreicht, was ich mir vorgenommen habe. Mein nächstes Ziel sind nun die Top Sieben."

Palander ausgeschieden
Das tolle Abschneiden "seines" Slalom-Teams in der Schweiz freute natürlich auch ÖSV-Slalom-Trainer Gert Ehn riesig, der diesmal wegen einer Grippeerkrankung in der Schweiz fehlte und stattdessen in seiner Heimatstadt Graz das Bett hüten musste. Nichts zu feiern gab es dagegen für Palander. 24 Stunden nach seinem Riesentorlaufsieg schied der Finne im Slalom auf dem "Kuonisbärgli" bereits im ersten Durchgang aus - und das obwohl er laut eigener Aussage am Samstagabend auf seine obligate Siegesfeier verzichtet und nicht einmal ein Bier getrunken hatte.

Rekordverdächtige Ausfallsquote
Palander war aber nur eines von vielen Opfern, das der von ÖSV-Coach Rainer Gstrein gesetzte Kurs auf dem schwierigen Hang forderte. 37 (33 Ausfälle, vier Disqualifikationen) der insgesamt 76 gestarteten Läufer schieden im ersten Durchgang aus. Diese Ausfallsquote von 48,68 Prozent ist rekordverdächtig im Weltcup. Im zweiten Lauf erwischte es dann nur acht der 30 Finalteilnehmer.

Weltcup-Slalom in Adelboden:
1.Rainer SchönfelderAUT1:44,98 Min.
2.Bode MillerUSA+0,19 Sek.
3.Benjamin RaichAUT+0,50
4.Mario MattAUT+0,90
5.Drago GrubelnikSLO+1,39
6.Edoardo ZardiniITA+1,68
7.Akira SasakiJPN+1,74
8.Giorgio RoccaITA+1,82
9.Pierrick BourgeatFRA+1,83
10.Tom StiansenNOR+2,18
11.Andre MyhrerSWE+2,23
12.Kilian AlbrechtAUT+2,26
13.Martin MarinacAUT+2,49
14.Urs ImbodenSUI+2,57
15.Alan PerathonerITA+2,58
16.Hannes Paul SchmidITA+2,59
17.Mitja DragsicSLO+2,67
18.Jure KosirSLO+2,77
19.Rene MlekuzSLO+2,98
20.Chip KnightUSA+3,00
21.Jean-Pierre VidalFRA+3,61
22.Andrej SpornSLO+6,79
Ausgeschieden im zweiten Lauf:
.Manfred PrangerAUT
.Heinz SchilcheggerAUT
.Thomas GrandiCAN
.Johan BroleniusSWE
.Markus LarssonSWE
.Ales GorzaSLO
.Giancarlo BergamelliITA
.Silvan ZurbriggenSUI
Ausgeschieden im ersten Lauf, u.a.:
.Michael WalchhoferAUT
.Kurt EnglAUT
.Kalle PalanderFIN
.Truls Ove KarlsenNOR
.Tom RothrockUSA
.Sebastien AmiezFRA

(apa/red)

8.2.2004 11:16